Freies WLAN steht vor dem Scheitern

Die letzten knapp hundert Tage ihrer Macht nutzt die Große Koalition unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel gerade dafür, in bekannter Weise die letzten Bürgerrechte der Deutschen mit Bundestrojaner und Onlinedurchsuchungen (klammheimlich und hinterlistig auf andere Gesetze draufgepackt) abzuschaffen.

Merkel: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern…

Jetzt geht es aber auch den Freifunkern und anderen Anbietern freier WLAN-Hotspots an den Kragen. Eigentlich überraschend, denn Angela Merkel lobte sich noch vor drei Tagen auf dem Verbrauchertag explizit selbst dafür, ihre Regierung habe offenes WLAN möglich gemacht.

Gute Taten werden von der Politik sofort bestraft

Ganz anders als im Rest der Welt gibt es in Deutschland nach wie vor nur sehr wenige offene WLAN-Zugänge. Daran ist vor allem die restriktive und weltweit wohl einzigartige Rechtslage Schuld, die letztlich die Betreiber solcher Angebote für Rechtsverletzungen ihrer Benutzer in Haftung nimmt – das ist noch schlimmer als die Sippenhaft der Nazis, denn die Anbieter kennen ihre Nutzer ja in aller Regel überhaupt nicht.

Immer von Abmahnanwälten bedroht

Trotzdem kann sich ein durch die IP-Adresse als WLAN-Anbieter Ermittelter als sogenannter „Mitstörer“ schnell teure anwaltliche Abmahnschreiben einfangen – obwohl er nichts Böses, sondern nur Gutes für andere Menschen und für den Wirtschaftsstandort Deutschland getan hat.

Diesem Risiko sind nicht nur Privatpersonen, die in Initiativen wie Freifunk einen Teil ihrer Bandbreite kostenlos abtreten, ausgesetzt, sondern auch Hotels, Cafés und im Grunde der gesamte eCommerce in Deutschland leiden unter dem in Gesetze gegossenen Unrecht der „Störerhaftung“.

Die Verbesserung des Rahmens für offenes WLAN war ja ein wichtiger Teil der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Nachdem dann schon im Sommer 2016 ein Versuch des Gesetzgebers zur Verbesserung der Rechtslage praktisch gescheitert ist, sollte nun ein neuer Gesetzentwurf endlich Rechtssicherheit bringen.

Noch im Mai feierte sich die Bundesregierung mal wieder selbst damit, jetzt endlich einen „Durchbruch für freies öffentliches WLAN“ erzielt zu haben. Der damals präsentierte Entwurf sieht eine weitgehende Haftungserleichterung für Anbieter vor, war allerdings auch Gegenstand von erheblicher Kritik.

CDU und CSU wollen das Unrecht nicht beenden

Aber selbst diese nicht wirklich durchgreifende geplante Liberalisierung der Rechtslage zugunsten von Bürgern und Unternehmen droht jetzt offenbar auch wieder zu scheitern. Die SPD-Fraktion macht dafür die Fraktion der CDU/CSU im Bundestag verantwortlich. Diese sei angeblich nicht bereit, den vorliegenden Gesetzentwurf zur WLAN-Haftung mitzutragen.

Damit verhindere sie „notwendige Klarstellungen zur Rechtssicherheit für WLAN-Anbieter“ und blockiere „ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrages und der Digitalen Agenda„. Es seien sogar „neue und grundsätzliche Bedenken vorgetragen worden, die sogar die jetzige Rechtslage infrage gestellt“ hätten.

Die CDU/CSU-Fraktion hat zu dieser Frage bisher noch keine Stellung bezogen. Sollte innerhalb der Koalition nicht endlich und sehr schnell eine Einigung erzielt werden, droht eines der wichtigsten digitalen Projekte der Regierung zu scheitern, und Deutschland noch weiter in die digitale Steinzeit zurückgeworfen zu werden..

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Erpressungstrojaner Locky – ein Veteran kehrt zurück

Mehrere Sicherheitsforscher beobachteten jetzt ein erhöhtes Aufkommen von gefälschten Rechnungs-Emails mit dem altbekannten Verschlüsselungstrojaner Locky als Dateianhang. Allerdings bedroht die neue Version der Ransomware zurzeit aber nur Computer mit Windows XP, sagen die Sicherheitsforscher von Cisco Talos. Die von Locky verschlüsselten Dateien sollen die Dateiendung .loptr zeigen.

Locky hatte seine große Zeit im Februar 2016, als teilweise täglich 5.000 PCs von dem Erpressungs-Trojaner verschlüsselt wurden. Damals breitete Locky sich noch über Word-Makros aus – später tarnte es sich als ein per Email weitergeleitetes Fax.

Die aktuelle Locky-Version kommt als doppelt gepacktes Archiv im Anhang einer Email und kann nur Rechner unter Windows XP infizieren und verschlüsseln. Der Schädling soll jetzt auch erkennen, wenn er in einer virtuellen Maschine läuft, und dann nicht aktiv werden.

Alles in allem eine eher lieblos überarbeitete Version des Trojaners, der kaum die Infektionszahlen seines Urahnen vom Februar 2016 erreichen dürfte.

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Foto: Bohnenblüten

Diese knallroten Blüten gehören zu einer Bohnenpflanze, die sich selbst in meinem Garten ausgesät hat.

Foto: Dr. Martin Merz, Smartphone Huawei P8, CC BY-SA 4.0

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Unicode 10 kommt mit 56 neuen Emojis

Soeben hat das Unicode-Konsortium die Version 10 seines internationalen Standards veröffentlicht. Mit Unicode 10 kommen 8.518 neue Zeichen hinzu, was den Standard jetzt auf insgesamt 136.690 Zeichen erweitert.

Hinzugekommen sind Zeichen und Schriftsysteme weniger verbreiteten Sprachen wie beispielsweise Masaram Gondi, das früher in Zentral- und Südostindien verwendet wurde oder die Nischensprache Nüshu („Frauenschrift“), die chinesische Frauen bis ins späte 20. Jahrhundert für Gedichte nutzten.

Erst Sandwich, dann Kotzen: Das Salatblatt muss schlecht gewesen sein

Unicode 10 bringt außerdem 56 neue Emojis mit. Dazu gehören unter anderem die bildlichen Darstellungen von Brokkoli, einem Sandwich und Kokosnüssen. Ab sofort ist auch eine Frau mit Kopftuch als Emoji dabei.

Für Vampir-Liebhaber gibt es endlich einen Emoji mit angespitzten Zähnen, und wem von zu vielen Sandwiches schlecht wird, der kann in Zukunft sein Bauchgefühl mit einem der sechs neuen kotzenden Emojis verdeutlichen.

Hier noch eine Übersicht der neuen Face-Emojis, auf die die Welt ganz bestimmt schon lange händeringend gewartet hat:


Wann die neuen Emojis dann auf den Smartphones der Benutzer ankommen, hat das Konsortium nicht selbst in der Hand – das ist letztlich vom jeweiligen Hersteller des Telefons abhängig.

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Unter #fedidwgugl finden Sie das Neuland der CDU

Vorletzte Woche hat ein Geistesriese aus den USA, genannt „The Donald“, mit #covfefe einen Hashtag veröffentlicht, bei dem man vermutete, dass der Donald entweder auf der Tastatur eingenickt oder aber seine Katze über die Tastatur gelaufen ist.

Das hat jetzt der die CDU mit ihrer „Hauptbotschaft“, die sie dann auch in Neudeutsch als „Claim“ verkündete, deutlich getoppt. Da wurde aus „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ der Hashtag #fedidwgugl zusammengebastelt.

Der Nutzen von Hashtags

So ein Hashtag ist ein Schlagwort mit vorangestelltem Doppelkreuz, das dazu dienen soll, Nachrichten mit bestimmten Inhalten oder zu bestimmten Themen in sozialen Netzwerken leichter zu finden.

Anders herum gesagt: #fedidwgugl kann man sich weder merken noch aussprechen. Der Begriff (so es denn überhaupt einer ist) ist nicht hilfreich, sondern im Gegenteil kontraproduktiv was das Auffinden der Botschaften der CDU bei Pinterest, Facebook oder Twitter angeht.

Konsequent inkompetent

Gestern bestätigte die CDU wieder einmal ihre Inkompetenz in Sachen Internet und neue Medien mit einem Gesetz, das aus Deutschland einen vollständigen Überwachungsstaat macht und den Bürgern auch noch den letzten verbliebenen Rest ihrer Grundrechte raubt.

Heute bestätigen die „Schwatten“ mit ihrem Super-Hashtag noch einmal mehr, dass sie vom Internet nicht den blassesten Schimmer vom Dunst einer Ahnung haben…

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Foto: sommerliche Gladiolenblüten

Auf diesem Foto kann man der rosafarbenen Gladiole ganz tief in die Blüte schauen. Man sieht, daß der Stempel der Schwertlilie sich an der Nabe dreifach aufsplittet und auch von genau drei Staubblättern umrandet ist – eins meiner schönsten Gladiolen-Fotos.

Foto: Klaus Ahrens, Fujifilm Finepix S1600, CC BY-SA 4.0

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36° Celsius – Zeit für erfrischenden Regen

Ab 11 Uhr habe ich mich heute in Skype wegen Hitzefrei für den Rest des Tages abgemeldet und warte seitdem darauf, dass endlich Wasser vom Himmel fällt und alles wieder kühler wird.

Früher haben mir solche Hitzephasen sogar Spaß gemacht, aber heute mit 70 Jahren geht mir das nur noch auf den Kreislauf. Das Thermometer auf meinem Balkon im Forum Lüdinghausen zeigt schon 36,3° Celsius an – und es ist noch kein Tropfen Regen in Sicht.

Dabei würde ich die Abkühlung heute sogar als Hardware (sprich: Hagel) akzeptieren…

Foto: C.Clark NOAA Photo Library (direct), gemeinfrei
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Aus Deutschland wird heute die DDR 2.0

In Bezug auf Überwachung und Bespitzelung von Gesichtserkennung durch Kameras bis zum Bundestrojaner ist Deutschland seit Jahren auf einem immer abschüssigeren Pfad zum Überwachungsstaat – allen voran der „IM“ Thomas de Maizière von der CDU, aktuell deutscher Innenminister.

Die DDR war ja dafür bekannt, dass dort fast jeder als IM andere bespitzelte oder aber selbst bespitzelt wurde – die Staatssicherheit, auch als „Horch und Guck“ bekannt, machte es möglich.

Heute Nachmittag geht es auf der Schnellstraße in den Überwachungsstaat

Heute wollen die vermessenen Politiker von CDU, CSU und SPD den nächsten Meilenstein auf dem Highway to Hell setzen und dazu auf die Daten in den Smartphones, Computern und Autos der Deutschen zugreifen können.

Der Bundestag will heute Nachmittag in zweiter und dritter Lesung ein Gesetz beschließen, mit dem die Befugnisse der Polizei bei Smartphones und Computern der Deutschen massiv ausgeweitet werden.

Quellen-TKÜ und Onlinedurchsuchung sind grundgesetzwidrig

Die Ermittler sollen dabei auch Schadsoftware wie den sogenannten Bundestrojaner auf die Geräte Verdächtiger aufspielen dürfen, um so auch die verschlüsselte Kommunikation der Nutzer beispielsweise über WhatsApp ohne Probleme mitlesen zu können.

Das Gesetz soll neben dieser sogenannten Quellen-TKÜ auch die Onlinedurchsuchung, die schon seit 2008 in sehr engen Grenzen zur Terrorabwehr erlaubt ist, häufiger gestatten, und das dann nicht mehr nur bei Terrorverdacht. Die Polizei soll diesen tiefen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger künftig auch bei Straftatbeständen wie Hehlerei, Steuerbetrug oder Drogenhandel anwenden können.

Insgesamt sollen diese Maßnahmen bei mehr als 70 Paragrafen angewandt werden können, bemängelt die Datenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff. Da kann ja selbst Sultan Erdogan noch etwas von der deutschen Politik lernen!

Entsetzen bei Bürgerrechtlern

Alle Bürgerrechtler sind entsetzt von dem neuen Anlauf der Politiker und dem in dem Gesetz geplanten Hacker-Persilschein für die Ermittler. Sie fürchten massenhafte massive Eingriffe in die Grundrechte der Bürger durch das neue Bespitzelungs-Gesetz.

Bürger, denen die Konsequenzen solcher Ermächtigungsgestze klar sind, sind zwar auch auf den Barrikaden, aber leider sind vielen Deutschen diese Konsequenzen erst dann wirklich klar, wenn ihr eigenes Auto sie nach einer Geschwindigkeitsübertretung bei der Polizei verpfeift – und das dann auch noch beitragsschädlich der Versicherung meldet…

Bis jetzt wurde der Staat ja bei allen seinen Versuchen dieser Art letztlich in jedem Einzelfall vom Bundesverfassungsgericht in seine Schranken gewiesen. Die Richter erlauben bis heute Staatstrojaner nur beim Einsatz durch das Bundeskriminalamt bei konkreten Terrorgefahren. Hoffen wir, dass das so bleibt!

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Der Europa-Hut der Queen

Die britische Königin darf sich nicht zu politischen Fragen äußern und muss immer neutral bleiben. Wählen oder sich anderweitig politisch engagieren darf die Queen auch nicht – beim gestrigen Queen’s Speech zur Eröffnung der neuen Sitzungsperiode des Parlaments liest sie nur vor, was der jeweilige Premier (aktuell Theresa May) geschrieben hat.

Ein königsblaues Outfit mit gelben Applikationen machte die Briten diesmal aber glauben, dass die Queen doch zu den „Remainern“ gehört und die EU nicht verlassen möchte. Besonders der blaue Hut mit den gelben Aufsätzen erinnert überdeutlich an die blaue Flagge der EU mit den gelben Sternen darauf…

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Porno-Filter bei Tumblr

Ausgerechnet Tumblr, vorsichtig ausgedrückt eine Ikone des körperbetonten Bildmaterials, hat jetzt einen Porno-Filter eingeführt, der sich „Safe Mode“ nennt und „sensitiven Content“ ausblendet.

Sensible Augen vor nackten Tatsachen schützen

Der Filter könnte auch die künstlerische Darstellung nackter Körper ausblenden, aber seien wir mal ehrlich: Wer sucht denn Kunst auf Tumblr? Das wirft aber auch die Frage auf, ob es bei Tumblr bald leer und langweilig zugeht.

Phantasie statt Porno

Die Filterfunktion ist für Erwachsene freiwillig. Wenn man ihn scharf schaltet, verschwinden alle als „explizit“ gekennzeichneten Blogs und tauchen auch nicht mehr in Suchergebnissen auf.

Das ist unerfreulich für Benutzer unter 18 Jahren: Die können den „Safe Mode“ nämlich nicht abschalten. Dazu schreibt Tumblr wenig hilfreich zur Aufmunterung „Ihr müsst Eure Phantasie nutzen“.

Schafft sich Tumblr selbst ab?

Es wird auch schon im Netz die Frage gestellt, ob sich Tumblr damit selbst abschafft, denn ohne eingeloggt zu sein, kann man die NSFW-Inhalte (Not Safe For Work – ungeeignet für den Arbeitsplatz) auch nicht mehr sehen.

Das bedeutet aber, dass Google die sexy Inhalte jetzt auch nicht mehr listet. Das macht das Netz zwar kaum sauberer, könnte aber das seit jeher mit Pornografie verknüpfte Image von Tumblr verbessern, was aber dem Eigentümer Verizon allerdings eher nicht gefallen dürfte, denn durch den Porno-Filter ist mit einem deutlichen Traffic-Einbruch bei Tumblr zu rechnen.

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