Quantencomputer: Technologie, Zauberei oder nur Bullshit?

Meine persönliche Einstellung zu real existierenden Quantencomputern ist ja aus diversen Posts wohl bekannt. Deren hauptsächliche Daseinsberechtigung sehe ich immer noch darin, was sie schon seit Jahren tun: Sie helfen Journalisten und Bloggern durch Saure-Gurken-Zeiten.

Was aber nicht heißen soll, dass ich nicht an Computer glaube, die unendlich viele Operationen gleichzeitig durchführen können, tausendmal schneller rechnen als alle bisherigen,  die Daten mit nie dagewesener Geschwindigkeit übertragen, und einen Informationsaustausch bieten, der wirklich unknackbar ist (bis der String-PC kommt ;)).

Wenn man der Berichterstattung Glauben schenkt, sollen die Quanten eine Menge Probleme moderner IT lösen. Die schon heute für ca. 10 Millionen Dollar, die man heute zum Beispiel für einen D-Wave Quantenrechner auf den Tisch legen muss, würde ich eher in eine angenehmere Lebensführung (mein Haus, mein Auto, meine Pferdepflegerinnen…) investieren, denn Standardprobleme der IT kann vermutlich eine der Pferdepflegerinnen schneller lösen als der 10-Millionen-Dollar-Pseudo-Quanten-Abakus aus dem Hause D-Wave.

Und bevor man so eine Mühle einschaltet, sollte man erst den Wetterbericht anschauen, die Klimaanlage überprüfen und alle Mitarbeiter nach Hause schicken, denn die kleinste Störung führt dazu, dass die Verschränkung sich verabschiedet und die D-Wave-Kiste zu einem Hochleistungskühlschrank mit minimalem Innenraum mutiert. Da reicht es schon, wenn ein Floh hustet, und die Performance – so sie überhaupt da war – ist hin.

Dann isses nix mehr mit der Berechnung der Route eines Handelsreisenden (TSP – Travelling Salesman-Problem) – und an das Knacken einer hochwertigen Verschlüsselung ist überhaupt nicht mehr zu denken.

Statt beeindruckender Rechenleistung eher Migräne

Jeder will heute auch an dem Thema teilhaben – obwohl der Versuch der Visualisierung quantenmechanischer Prozesse vor dem inneren Auge auch physikalisch bewanderte Mitmenschen schnell zur Verzweifelung bringen kann. Wer Migräne noch nicht kennt, sollte das mal versuchen…

Inzwischen hat die EU-Kommission ein Quantenmanifest verabschiedet, das für zahlreiche Technologien auf Basis der Quantenmechanik Fördergelder bereitstellt. Auch fast alle großen IT-Konzerne forschen intensiv an dem Thema. So stellte der Volkswagen-Konzern beispielsweise auf der diesjährigen Cebit ein Quanten-Computer-Projekt vor. IBM bietet seit einiger Zeit sogar schon einen „Quantencomputer“ als Cloud Service an.

Inzwischen heißt es, dass bereits 2018 der erste Quantencomputer auf den Markt kommen soll, der diesen Namen auch wirklich verdient. Doch was ist eigentlich dran an dem Quanten-Hype?

Die Golem-Quantenkonferenz

Diese Frage will der Newsdienst Golem.de auf seiner Quantencomputer-Konferenz in zwei Monaten zu klären versuchen.

Dazu gibt es neun Vorträge zu Themen rund um Quantencomputer, Quantennetzwerke, Quantenkommunikation und Quantenkryptographie, die erhellen sollen, was von den Quanten tatsächlich zu erwarten ist – und was nicht.

Hier sind nur einige der Fragen, die auf der Konferenz beantwortet werden sollen:

  • Wo steht die Quantenmechanik und welche Erkenntnisse hat die Forschung bisher gebracht?
  • Wo steht die Forschung bei der Entwicklung von Quantencomputern?
  • Was können Quantenalgorithmen und Quantenverschlüsselung?
  • Vor welchen Herausforderungen steht die Postquantenverschlüsselung?

Außerdem diskutieren die Teilnehmer darüber, welche Zukunftstechnologie vielversprechender ist: Supercomputer oder Quantencomputer.

Ticketverkauf hat begonnen

Die Konferenz „Die Quanten kommen!“ läuft am 23. Juni 2017 im Berliner Zoo Palast. Auf der Event-Seite von Golem finden Sie das Programm mit den Biografien der Vortragenden und die Abstracts.

Dort können Sie sich auch für den Konferenz-Newsletter anmelden. Der erste Vortrag des Events beginnt um 9 Uhr, um 19 Uhr endet die Veranstaltung. Tickets gibt es hier zu kaufen – für Golem-pur-Abonnenten gibt es als Dankeschön auch einen Rabatt. Der Code dazu findet sich im Account-Bereich.

Über Klaus

Ich beschäftige mich seit fast 30 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder des "Neulands".
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