Verbrechens-Vorhersage: Feuchte Träume ausgeträumt

Ein feuchter Traum der Ermittler bei der Polizei in München, Stuttgart, Karlsruhe und Berlin, der wohl letztlich vom Film „Minority Report“ des Scientologen Tom Cruise inspiriert war, dürfte jetzt wohl ausgeträumt sein:

Nachdem jetzt das Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht das Programm „Precobs„, für das diese Enthusiasten immerhin „einen niedrigen sechsstelligen Betrag“ aus Steuermitteln bezahlt haben, unter die Lupe genommen hat, wird klar, dass man mit solchen Programmen keine Verbrechen vorhersagen kann.

Die Software „Precobs“ des Oberhausener Instituts für musterbasierte Prognosetechnik war als erste ihrer Art auf dem deutschen Markt und gilt immer noch als Musterbeispiel. Seit 2014 wagen einige Polizeireviere mit dem Programm den Blick in die Zukunft. Die bayerischen Beamten sagen damit Einbrüche und Autodiebstähle voraus, die besonders häufig von professionellen Mehrfachtätern verübt werden, die nach bestimmten Mustern vorgehen.

Viel mediale Aufmerksamkeit, aber kein positiver Effekt

Beim Polizeipräsidium Karlsruhe allerdings konnte Max-Planck-Forscher Dominik Gerstner keinen positiven Effekt durch den Einsatz der Software feststellen. Die Fallzahlen blieben im Wesentlichen unverändert. Alle dortigen Gebiete, in denen es einen Precobs-Alarm gegeben hatte, untersuchte Gerstner genauer und stellte fest, dass die Zahl der Folgedelikte lediglich um 0,24 sinkt, wenn die Polizeidichte verdoppelt wird.

In Stuttgart sahen die Zahlen kaum besser aus. So sank die Zahl der Einbrüche in der ersten Testphase von Precobs im Winterhalbjahr 2015/16 im Vergleich zum Winterhalbjahr 2014/15 von 580 auf 458 gesunken.

Ob das aber am Programm Precobs lag, ist unklar, denn die Kriminalität wird auch von vielen anderen Faktoren beeinflusst. Und zwei der zehn baden-württembergischen Polizeipräsidien ohne Precobs melden für denselben Zeitraum auch eine gesunkene Zahl von Einbrüchen. Zusammengefasst: Außer Spesen nichts gewesen…

Über Klaus

Ich beschäftige mich seit fast 30 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder des "Neulands".
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