100.000 Windows-„Raubkopien“ beschlagnahmt

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Schwere Beschuldigung von Microsoft

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Organisierte Kriminalität in Halle ließ rund 100 Beamte die Geschäfts- und Lagerräume des PC- und Software-Händlers PC Fritz nach angeblich illegalen Kopien von Microsoft-Software wie Windows 7 durchsuchen und über 100.000 Datenträger sicherstellen.

Microsoft gab an, sie hätten zahlreiche von PC Fritz verkaufte Datenträger als Raubkopien identifiziert und daraufhin Strafanzeige erstattet.

Diese Datenträger seien sogenannten Reinstallations-DVDs nachempfunden, wie sie beispielsweise Dell oder andere Computerhersteller PCs beifügen, auf denen Windows 7 schon vorinstalliert ist.

Die Microsoft vorliegenden Raubkopien seien von PC Fritz mit einer eigenen Verpackung und einem ebenfalls „gefälschten“ Echtheitszertifikat versehen worden. Die durch PC Fritz entstandenen wirtschaftlichen Einbußen schätzt Microsoft auf einen siebenstelligen Betrag.

PC-Fritz weist Vorwürfe zurück

PC Fritz bestreitet vehement, Raubkopien verkauft zu haben und distanziert sich ausdrücklich vom Handel mit gefälschten Datenträgern. Bei den beschlagnahmten DVDs handele es sich um gebrauchte Original-OEM-Recovery-Datenträger.

Ein PC Fritz-Sprecher erklärte erklärte, man kaufe die Windows-Kopien in der Regel von sogenannten PC-Refurbishern, also Firmen, die ihrerseits auch größere Posten gebrauchter PCs von Firmen und Behörden aufkaufen und die dazugehörigen Software-Lizenzaufkleber und Datenträger isolieren, bevor sie die Hardwarein weiter Verwerten.

Microsoft will den Handel mit Gebrachtsoftware verhindern

Die jetzt von Microsoft veranlasste Aktion hält die betroffene Firma PC Fritz für einen weiteren Versuch von Microsoft, den Handel mit gebrauchten Software-Lizenzen irgendwie zu unterbinden.

Dabei sei der Wiederverkauf „entbundelter“ Recovery-Datenträger durch ein BGH-Urteil aus dem Jahr 2000 ganz ausdrücklich erlaubt. PC Fritz will sich juristisch gegen Microsoft wehren und denkt darüber nach, dem Software-Giganten auf dem Weg der einstweiligen Verfügung die Behauptung verbieten zu lassen, man handele mit Raubkopien.

Meine Meinung dazu

Microsoft versucht immer wieder, deutsches und europäisches Recht zu missachten und stattdessen amerikanische Vorstellungen hier in Deutschland zu realisieren. Und die laufen so, dass Microsoft dem Kunden nach seiner Auffassung nicht etwa das Standardprogramm Windows verkauft, sondern nur das Recht, dies Programm auf einem bestimmten Rechner zu nutzen.

Und wer so gut verdient wie der Softwarekonzern, kann es sich erlauben, Rechtsanwälte zu bezahlen, um kleinere und mittlerer Softwarehändler auch gegen geltendes Recht unter Druck zu setzen.

Wenn dann bei so einer Durchsuchung von Microsoft vorab informierte Journalisten das Vorgehen fotografieren und Filmen, ist das ein prima Abschreckungsszenario gegen den preisgünstigen, aber legalen Wiederverkauf gebrauchter Windows-Software zum kleinen Preis von 29 €, der Microsoft ein Dorn im Auge ist.

Beim letzten bekannteren Fall dieser Art war die Firma softwarebilliger.de das Opfer des Konzerns.

Wie das Verhalten wirklich zu sehen ist, werden hier wohl die Gerichte entscheiden – wenn PC Fritz den Kampf Internationaler Konzern ./. kleiner deutscher Gebrauchtsoftware-Händler aufnimmt.

Denn auch vor Gericht gibt es in Deutschland nicht unbedingt Gerechtigkeite, sondern nur ein Urteil…

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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