Erdogan will Facebook und Youtube in der Türkei verbieten

Erdogan_croppedDer türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan spricht von “Schmutzkampagne” und “Verschwörung” – und räumt jetzt doch überraschend ein: Zwei der heimlich mitgeschnittene Telefonate mit seiner Stimme, die im Internet veröffentlicht wurden, sind echt.

Trotzdem droht der Autokrat mit Konsequenzen angesichts der im Internet aufgetauchten Gesprächsmitschnitte. Ende März will er Facebook und YouTube in der Türkei abschalten.

Die Macht des Internets verführt viele der Mächtigen auf der Welt immer wieder zum Missbrauch, und das auf sehr unterschiedliche Weisen: Wer die Technologie beherrscht, nutzt die Datenströme, um Menschen und Unternehmen, egal ob Freund oder Feind, auszuspionieren und von den unrechtmäßig erworbenen Informationen zu profitieren – sei es politisch oder wirtschaftlich. Das machen fast alle Regierungen bzw. deren Geheimdienste so, sofern sie es können.

Missbrauch des Internet

Diesen Missbrauch des Internets insbesondere durch den amerikanischen Geheimdienst NSA und den britischen Geheimdienst GCHQ deckte im letzten Jahr der Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden auf und löste damit die sogenannte NSA-Affäre aus.

Die zweite Gruppe besteht weitestgehend aus Diktatoren und Despoten. Sie sind in aller Regel technisch nicht in der Lage, selbst Informationen aus dem Internet zu gewinnen wie zum Beispiel in diesem konkreten Fall herauszufinden, wer denn eigentlich die Erdogan in seiner Korruptionsaffäre schwer belastenden Telefonmitschnitte im Netz eingestellt hat.

Und deshalb kennen sie nur eine Lösung: Sobald etwas Negatives über die Machtelite des Landes auf einer Internetplattform wie Youtube oder Facebook auftaucht, wird diese Plattform über die Backbone-Router des Landes einfach abgesperrt.

Erdogan und Gül kontrollieren das türkische Internet

Die Türkei liegt auf der Liste der Pressefreiheit auf den hinteren Plätzen, deshalb sind Regierungsgegner schon ins Internet ausgewichen. Auch der wegen eines Korruptionsskandals schwer unter Druck geratene türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan wird von immer neuen Enthüllungen, in der Regel Telefon-Mitschnitten, in denen er die Hauptrolle spielt, bedrängt.

Im Internet waren in den letzten Wochen mehrere Mitschnitte von mutmaßlichen Telefonaten Erdogans aufgetaucht. In einem von ihnen ruft Erdogan beispielsweise seinen Sohn auf, große Summen Geld zu verstecken. Die Echtheit dieses Telefonats hat Erdogan bisher abgestritten. Andere Gespräche bestätigte er aber schon, beispielsweise eines, in dem er die Auftragsvergabe für ein Kriegsschiff manipuliert, um einem vermeintlichen Gegner zu schaden.

Jetzt denkt der Autokrat öffentlich darüber nach, die Internetplattformen Youtube und Facebook in der Türkei zu verbieten. Als Sprachrohr für diese Ankündigung diente ihm der türkischen Privatsender ATV, der gestern Abend ein Interview mit dem Regierungschef ausstrahlte. Nach der Kommunalwahl am 30. März würden „neue Maßnahmen in dem Bereich getroffen, darunter ein Verbot von Internetplattformen“, sagte Erdogan in dieser Sendung.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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