Ab 2015 Änderungen bei Umsatzsteuer für Digitalprodukte

europaparlamentDie Regulierungswut der Europa-Abgeordneten kennt keine Grenzen mehr und bremst die Wirtschaft mit immer komplizierteren Vorschriften. Heute müssen wir an die dritte große Herausforderung des Jahres 2014 erinnern, damit sich die betroffenen Online-Händler rechtzeitig dafür rüsten oder aber ihr Geschäft endgültig aufgeben können.

Riesen wie Amazon, die selbst so gut wie keine Steuern zahlen, werden dadurch weiter gestärkt, und die Vielfalt der Kleinen immer mehr von der Teilhabe am E-Commerce ausgegrenzt. Wenn es das ist, was Europa ausmacht, dann möchte ich Europa nicht mehr.

Wenn ein kleinerer Onlineshop es mit Mühe geschafft hat, die neuen Regelungen zum Widerrufsrecht und die Umstellung auf SEPA und BICC umzusetzen, kommt jetzt die nächste Herausforderung auf ihn zu, diesmal im Bereich der europäischen Umsatzsteuer:

Ab dem neuen Jahr müssen Händler und Dienstleister beim Verkauf ihrer Produkte oder Leistungen die Umsatzsteuer in dem EU-Land abführen, aus dem der Käufer kommt. Grundlage dafür ist die Richtlinie 2008/8/EG vom 12. Februar 2008, deren Umsetzung zum 1. Januar 2015 gleichzeitig in allen EU Mitgliedsstaaten in Kraft treten wird.

Das gilt allerdings nur für Anbieter von digitalen Produkten wie beispielsweise E-Books, Streaming- und Download-Angeboten und Hosting-Angeboten. Nach dem Gesetzestext sind Unternehmen

  • mit Sitz in der EU,
  • die Telekommunikationsleistungen,
  • Rundfunk- und Fernsehleistungen oder
  • auf elektronischem Weg erbrachte Dienstleistungen
  • an Privatpersonen
  • in anderen EU-Mitgliedstaaten

von den Neuregelungen betroffen.

Diese Vorschrift gilt auch für Firmen, die nicht in der EU sitzen, ihre Produkte aber hier anbieten.

Wer zu den betroffenen Unternehmen gehört, sollte sich zunächst mit dem mini-one-stop-Verfahren auseinandersetzen. Das Verfahren sieht vor, dass zusätzlich zur Umsatzsteuervoranmeldung eine  vierteljährliche elektronische Erklärung über ein (noch zu schaffendes) Internetportal des Bundeszentralamts für Steuern abzugeben ist.  Die Registrierung dort sollte eigentlich schon ab dem 01.10.2014 möglich sein.

In einer Pressemeldung des Bundesfinanzministeriums vom 11.07.2014 heißt es dazu aber nur lapidar:

„Weitergehende Informationen zum Verfahren Mini-One-Stop-Shop werden rechtzeitig auf der Homepage des Bundeszentralamts für Steuern unter www.bzst.bund.de veröffentlicht.“

Einen Leitfaden zur „kleinen einzigen Anlaufstelle für die Mehrwertsteuer“ – das ist die Bezeichnung des mini-one-stop-shop im Behördendeutsch finden Sie auf bei der EU-Kommission.

Betreiber von Online-Shops  stehen vor einer großen Herausforderung: Es müssen wieder intensiv die Programme geändert werden. Denn gegenüber privaten Kunden müssen die Preise ja immer brutto, also inklusive Umsatzsteuer angezeigt werden.

Da die EU-Länder verschiedene Steuersätze haben, muss das bei der Darstellung für das jeweilige EU-Land natürlich berücksichtigt werden„, erläutert ein Steuerfachanwalt dazu. Für einen Großteil der betroffenen Unternehmer bedeutet das eine Neukalkulation der Preise und auch eine Neuprogrammierung ihrer Shops.

Auch die Rechnungsstellung muss angepasst werden, damit immer der jeweils richtige Steuersatz ausgewiesen ist. Und wenn man weiß, dass der Steuersatz auf ein E-Book in den einzelnen Ländern der EU zwischen 3 und 27 % schwankt, dürfte klar sein, dass gerade kleinere Shops sich Anfang nächsten Jahres wohl aus dem Geschäft zurückziehen werden.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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