Abwegige Akronyme für den Irrweg Schengen-Netz

Schengen-NetzAlle möglichen Firmen und Universitäten sind nach einem Bericht von Heise aktuell dabei, sichere Netzkomponenten zu entwickeln, die in einem Schengen-Netz eine Rolle spielen könnten.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Die Linken wollten in Ergänzung zu einer früheren Anfrage wissen, in welchen Vorhaben Firmen wie EADS Deutschland oder Nokia Solutions and Networks im Bereich der IT-Sicherheit forschen und wieviel Geld sie dafür vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erhalten.

Sowohl die Nachfolgefirmen von Nokia Siemens Networks als auch einige Universitäten und Fraunhofer-Institute sind am Projekt SASER-Siegfried beteiligt, wobei SASER für das englische “Safe and Secure European Routing” steht und Siegfried wohl eher für den kernigen Germanen, der durch die Waberlohe schreiten konnte, eine analoge Frühform einer Firewall.

Hier eine Liste weiterer ausgewählter und geförderter Projekte mit wirklich aussagefähigen Akronymen:

  • ASMONIA – Angriffsanalyse und Schutzkonzepte für mobilfunkbasierte Netzinfrastrukturen durch kooperativen Informationsaustausch, erforscht durch EADS Deutschland und Fraunhofer AISEC für 738.501 Euro.
  • ANSII – Anomalieerkennung und eingebettete Sicherheit in industriellen Informationssystemen, erforscht durch ein Industriekonsortium um EADS Deutschland für 294.164 Euro.
  • SKIMS – Schichtenübergreifendes kooperatives Immunsystem für mobile, mehrseitige Sicherheit, geleitet von der Bosch-Tochterfirma Escrypt, 139.263 Euro.
  • UNIKOPS – Universell konfigurierbare Sicherheitslösung für cyber-physikalische Systeme, ebenfalls von Escrypt geleitet, unterstützt mit 172.794 Euro.
  • SMOG – Schutz mobiler Endgeräte vor Angriffen über die Luftschnittstelle. Ein Projekt der GSMK, unterstützt mit 173.824 Euro.

Kein Akronym, aber einen interessanten Namen trägt das vom DE-CIX geleitete Verbundvorhaben Peeroskop, ein Peering-Monitor für die mikroskopische Analyse zum Schutz des Internets in Deutschland (46.617 Euro).

Ein Bundestagsabgeordneter der Linken kommentierte: “Ich halte nichts davon, das Versagen aller Kontrollorgane zum größten Spionageskandal der Geschichte mit der Aufrüstung der IT-Sicherheit zu beantworten. Es braucht stattdessen eine politische Reaktion: Die Bundesregierung muss die technischen Möglichkeiten der Erfassung digitaler Verkehre öffentlich machen.”

Auch die durch solche Projekte verstärkte Idee der Einrichtung einer digitalen Schengen-Grenze sei abwegig, schließlich sei das Internet ein Symbol der Freiheit und Völkerverständigung, das nichts mit einer Grenzsicherung zu tun habe. “Was wir wirklich nicht brauchen ist die weitere Einzäunung der „Festung Europa“ auch im virtuellen Raum.”

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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