Aktienverkauf soll Telekom helfen

WolfgangSchaeuble_Wikipedia_RudolfSimonEs liegt an der Telekom, dass man sich an manchen Orten in Deutschland in die Steinzeit der Modems zurückgesetzt fühlt, denn sie baut das Netz nur dort aus, wo die Investition schnell genug wieder hereinkommt.

Damit liegt die Verantwortung für regional geringere Wettbewerbschancen von an sich guten Unternehmen zu einem Drittel bei Merkel & Co., denn so hoch ist der Anteil des Bundes direkt und indirekt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an dem Unternehmen.

Finanzminister Schäuble denkt laut Medienberichten darüber nach, Anteile an früheren Staatsunternehmen wie der Deutschen Telekom, der Deutschen Bahn und der Deutschen Post abzugeben – und schon reiben sich alle die Hände.

telekomMan kann die Freude von Menschen verstehen mit tröpfelnden Internetleitungen, die jedes Bit einzeln mit Handschlag begrüßen können, verstehen, wenn sie sich über die Investition des Verkaufserlöses in diesen Bereich freuen.

Auch Mahner, die schon immer sagen, dass jemand wie der Bund, der die Regeln des Marktes macht, nicht gleichzeitig Marktteilnehmer mit Dividendeneinnahmen sein sollte. Das erinnert irgendwie an Juncker gegen Juncker.

Aber ist es denn in Ordnung, wenn der Bund ein Drittel des Unternehmens am freien Markt verkauft und den Erlös dann in die Kabel steckt, aus denen die Telekom dann ihre Gewinne zieht?

Andere Unternehmen müssen die Investitionen für ihr Geschäft schließlich auch selbst stemmen. Ich sehe die anderen europäischen Telcos, die mit der Telekom im Wettbewerb stehen, schon reihenweise in Brüssel gegen eine solche Subventionierung klagen.

Spötter fragen auch schon, wie hoch denn die Rücklagen für Parteispenden der Telekom in dem Falle sein würden.

Allerdings ist bei solchen Gedankenspielen Vorsicht geboten: Man ist sich zwar einig, die Telekom-Anteile zu verkaufen, aber ganz und gar nicht über die Verwendung des Verkaufserlöses von geschätzten 18 Milliarden Euro. Der Steuerzahlerbund erinnert an wegen Baufälligkeit gesperrte Brücken und marode Straßen, die es in Deutschland inzwischen en masse gibt.

Und Schäuble denkt doch eher an das gerade erst vor einer Woche versprochene 10 Milliarden-Investitions-Paket, das zwischen 2016 und 2018 bereitstehen soll. Über dessen Finanzierung hat er bisher noch nichts gesagt – außer, dass es ohne neue Schulden gestemmt werden soll. Da ist in Zeiten abflauender Konjunktur der Verkauf von Tafelsilber naheliegend.

Ob das wirklich zu schnelleren Internetverbindungen auf dem Lande führt, ist aber wohl eher fraglich.

Mich erinnert es an einen Postministe Schwearz-Schilling von der CDU, dem wir dies Dilemma zu verdanken haben. Damals in den 80er Jahren hat der Mann ganz Deutschland neu verkabeln lassen – dummerweise aber statt mit den Glasfaserkabel, die fortschrittliche Länder schon nutzten, mit Kupferkabeln.

Schließlich war er bis zu seinem Antritt als Postminister Teilhaber einer Fabrik für Kupferkabel, die er während seiner Ministerzeit an seine Frau abgab…

Foto: Wikipedia / Rudolf Simon

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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