Apple: Wirtschaft, Politik und Public Private Partnership

AppleRaumschiffVor langer, langer Zeit gab es mal einen großen, angeblich sehr sozialen Geschäftemacher mit dem Namen Apple im Königreich der Sonne, Kalifornien in den USA, dem nach seinen eigenen Worten das Wohl seiner Untertanen Mitarbeiter und der Jünger des angebissenen Apfels sehr am Herzen lag.

Der Bürgermeister der Stadt Cupertino und der Gouverneur des Staates Kalifornien erlaubten ihm, als Denkmal des Größenwahns ein riesiges “Raumschiff” namens “Campus 2” als Firmensitz in die Landschaft zu setzen und gewährten ihm so manche Vergünstigung.

Es sollte ein Geben und Nehmen sein. Der Geschäftemacher sollte sich mit den sprudelnden Steuern für die viele Unterstützung und die goldenen iPhones für Entscheider bedanken.

Public Private Partnership ist TTIP für Dummies

Nach dem Nehmen kommt aber irgendwann auch der Zeitpunkt des Gebens – auch als Stunde der Wahrheit bekannt.

Der ereilte den Geschäftemacher just Ende letzten Jahres, als ein neuer Bürgermeister, Barry Chang, in Cupertino in Kalifornien gewählt wurde.

Die Wirtschaft übernimmt keine Verantwortung

Bürgermeister Chang sieht seine Stadt jetzt mit wachsendem Verkehrsaufkommen und veralteter Infrastruktur konfrontiert.

Gleichzeitig ist Apple nicht bereit, auch nur 10 Cent zu zahlen. Sie machen Profit, und sie sollten die Verantwortung für unsere Stadt teilen, doch sie tun es nicht. Wir sind das Zentrum der Technologie, und unser Nahverkehrssystem ist alt und beschämend.

Die Politiker sind gekauft und/oder haben Angst

Der Vorschlag des Bürgermeisters, eine Abgabe von 100 Millionen US-Dollar von Apple (das könnte der Geschäftemacher aus der Portokasse bezahlen) zu fordern, um die Infrastruktur der Stadt zu verbessern, fand im Rat der Stadt keine Zustimmung.

Nur ein weiteres der drei stimmberechtigten Mitglieder hätte diesem Vorschlag zustimmen müssen – aber alle stimmten sie mit Nein.

Der Bürgermeister erklärte das so, dass niemand in der Stadt bei dem mächtigen Apple-Konzern in Ungnade fallen möchte. Er selbst habe vor drei Jahren einmal versucht, mit Apple über die verstopften Straßen zu sprechen.

Bei seinem Besuch wäre er, seinerzeit noch ein einfaches Ratsmitglied, schon in der Eingangshalle vom Sicherheitsteam des Konzerns aufgehalten und aufgefordert worden, das Gelände sofort zu verlassen.

Apple teilte inzwischen auf Nachfrage des Guardian mit, keine Aufzeichnungen über den Besuch (und den Rausschmiss) von Barry Chang zu haben. 2013 zahlte der Konzern 9,2 Mio. US-Dollar an Steuern an die Gemeinde – das sind ca. 18 Prozent des städtischen Gesamtbudgets. Dies ist zufällig die gleiche Summe, die Apple-Chef Tim Cook im Jahr 2014 an Gehalt und Boni ausgezahlt bekam…

Apples Strategien zur Steuervermeidung sind mehr als asozial

Dabei ist Tim Cook der Manager, der seit dem Tod von Steve Jobs nicht ein einziges “next big thing” mehr bringen konnte und den Konzern seit ein paar Jahren immer weiter abwirtschaftet. Der Kurs der Apple-Aktie ist auf Talfahrt.

Vermutlich darf die kleine Stadt Cupertino (60.000 Einwohner) nach dem Untergang des angebissenen Apfels auch noch die Kosten für die Entsorgung des Raumschiffs übernehmen…

Der Konzern hat übrigens Abermilliarden Dollar Gewinne auf ausländischen Konten in aller Welt liegen, die er aber in den USA nicht deklariert, um Steuern zu sparen.

Apple leiht sich aber lieber Geld bei Banken, als Einkünfte aus anderen Ländern in die USA zu überführen und die damit fällige Repatriierungssteuer von gut 35 Prozent zu bezahlen.

Apple-Chef Tim Cook nahm zu dem Vorwurf der Steuervermeidung in einem Fernseh-Interview Stellung: Seine Firma zahle jeden Cent an Steuern, die sie den Behörden schulde. Diese Vorwürfe seien “politischer Dreck” von Politikern, die nicht bereit seien, das Steuersystem an das digitale Zeitalter anzupassen.

Deutlicher kann man seine menschenverachtende neoliberale Einstellung nicht machen. Wenn es nach Tim Cook ginge, würden in Zukunft, wenn sich alle Chinesen, die Apples iPhones unter Zwang zu Hungerlöhnen bauen müssen, von den Firmendächern der Apple-Partner in den Tod gestürzt haben, wieder Neger im Lendenschurz im Süden der USA sitzen und die überteuerten Smartphones mit dem angebissenen Apfel als Sklaven produzieren. Und in den Pausen müßten sie dann vermutlich noch Baumwolle für Massa Tim pflücken…

Cupertino ist überall!

Abschließend noch eines: Cupertino ist überall. Auch bei uns, selbst hier im kleinen Lüdinghausen, gibt es solche Bürgermeister und solche Geschäftemacher. Sie sind für TTIP und erst recht für Public Private Partnership – und verbraten so die letzten Ressourcen der Menschen.

Zum Glück für uns gibt es aber in unserem Münsterlanddorf noch keine Baumwollfelder – obwohl Autoindustrie, Kraftwerksbetreiber und die immer willige Politik schon fleißig daran arbeiten, die dafür nötigen Umweltbedingungen auch hier herzustellen…

Genießen Sie die kleinen Vorteile des Klimawandels am Muttertag 2016!

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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