Auch Microsoft Bing kennt jetzt “Recht auf Vergessen”

EuGHNach der Suchmaschine Google hat auch Microsoft jetzt ein Antragsformular online gestellt, um für betroffene Menschen unliebsame Fundstellen aus dem Bing-Suchindex streichen zu lassen.

Das Formular mit dem sperrigen Namen “Antrag zur Sperrung von Bing-Suchergebnissen gemäß der Rechtsprechung der Europäischen Union” erlaubt in der EU oder in der Schweiz und in Norwegen wohnenden Menschen, das vom Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) in Luxemburg gewährte “Recht auf Vergessen” im Internet zu beanspruchen.

Etikettenschwindel: Wer sucht, der findet

HeiseRadiererVergessenEigentlich ist das “Recht auf Vergessen” aber wie viele andere angebliche “Verbraucherschutzmaßnahmen” der letzten Jahre auch ein Etikettenschwindel, denn solche den Betroffenen unangenehmen Veröffentlichungen werden ja nicht aus dem Netz gelöscht, sondern nur aus den Ergebnislisten von Suchmaschinen – und da auch nur als Antwort auf bestimmte Suchbegriffe. Eine reine Augenwischerei, denn wer richtig danach sucht, findet sowas auch weiterhin.

Visualisierungen des “Rechts auf Vergessen” mit Radiergummis sind also nur eine Unterstützung der Verdummung der Verbraucher.

Formular bei der NSA abgeschrieben?

Das Microsoft-Formular macht den Eindruck, dass es von der NSA abgeschrieben wurde. Benutzer werden nach allen möglich Dingen gefragt, die eine Suchmaschine wirklich gar nichts angehen. Es gibt Fragen wie:

Üben Sie in Ihrer Gemeinde oder einer weiter gefassten Gruppe eine Rolle aus oder erwarten Sie, in Zukunft eine Rolle auszuüben, die sich durch Führung, Vertrauen oder Sicherheit (z. B. Lehrer, Geistlicher, Organ in einer Gemeinschaft/einem Verein, Polizist, Doktor usw.) auszeichnet?

Alternativ darf man auch eine “ausführliche Beschreibung Ihrer Situation” angeben. Wo leben wir eigentlich, in Stasiland? Und eine Suchmaschine soll dann entscheiden, ob dem Antrag stattgegeben wird oder nicht?

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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