Das Ende der Sparkassen-Filiale am Markt Lüdinghausen

Nach dem Bericht über die Degradierung der Sparkassenfiliale am Marktplatz in Lüdinghausen zu einer Selbstbedienungs-Filiale war der Leiter des neuen „Beratungscenters Ostenstever“ der Sparkasse Pascal Wewers, zu dessen Filiale die jetzt am Markt schon schmerzlich vermissten Automaten abgewandert sind, so freundlich, uns telefonisch die Zukunft der SB-Filiale am Markt aufzuzeigen und verwies dabei auch auf einen informativen Link im Sparkassen-Blog.

Im Juni wird die SB-Filiale am Markt geschlossen

Danach gibt es die Filiale nur noch, bis der Mietvertrag im kommenden Monat ausläuft – dann ist der Standort Vergangenheit. Als kleines Trostpflästerchen soll in der Geiping-Filiale am Markt 1 (Vortagsbrot) ein einzelner Geldausgabe-Automat installiert werden.

Bei allem Verständnis dafür, dass die Sparkasse wie jedes im Wettbewerb stehende Unternehmen insbesondere auf die Kosten achten muss – für eine kleinere und kostengünstigere Filiale am Markt hätte man bei gutem Willen sicher auch passende kleinere Räumlichkeiten finden können – die Fluktuation unter den kleineren Geschäften rund um den Markt oder in der Münsterstraße ist doch sowieso extrem hoch, wie ich in den fast zwanzig Jahren, die ich jetzt in der Innenstadt wohne, feststellen musste.

Schließlich treten die richtig hohen Personalkosten  in einer SB-Filiale ja schon jetzt nicht mehr auf!

Die soziale Verantwortung kommt unter die Räder

Wer den Brockhaus-Nachfolger Wikipedia nach Sinn und Zweck der Sparkassen, die zu den Universalbanken gezählt werden, befragt, kann da lesen:

„Eine Sparkasse ist ein Kreditinstitut mit der Aufgabe, breiten Bevölkerungsschichten Möglichkeiten zur Geldanlage anzubieten, den Zahlungsverkehr durchzuführen und die örtlichen Kreditbedürfnisse auch der mittelständischen Wirtschaft zu befriedigen.“

Vorteile durch öffentlich-rechtliche Trägerschaft und Gemeinnützigkeit

Besonders dieser Hinweis bei der Beschreibung der Besonderheiten der öffentlich-rechtlichen Sparkassen gab mir dann auch noch schwer zu denken:

„Was (öffentliche) Sparkassen von anderen Banken unterscheidet, sind die Trägerschaft durch eine Gebietskörperschaft, ihr auf das Gebiet der Gebietskörperschaft beschränktes Geschäftsgebiet und das Gemeinnützigkeitsprinzip.“

Dieses Gemeinnützigkeitsprinzip hob die Sparkassen schon immer von den übrigen, auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Banken ab. Denn die maximale Gewinnerzielung steht satzungsgemäß nicht im Vordergrund der Unternehmenspolitik – eine angemessene Gewinnerzielung genügt angheblich.

Wenn man jetzt die Neuorientierung der Sparkasse Lüdinghausen weg vom Marktplatz und ab in den Speckgürtel unter diesem Aspekt bewertet, muss man sich fragen, ob diese hehren und mit Steuer- und anderen Vorteilen verbundenen Geschäftsziele der Gemeinnützigkeit in Sachen Marktplatzfiliale in Lüdinghausen nicht doch unter die Räder gekommen sind…

Blogartikel zeigt die Neuausrichtung deutlich am Personalplan

Der Blogartikel bei der Sparkasse Westmünsterland lässt ja auch tief blicken: Neben sechs Kundenbetreuern (inklusive Chef) gibt es dort jetzt immerhin zusätzlich drei Immobilien- und drei Finanzierungsberater – und die Lage mitten im Neubau-Speckgürtel von Lüdinghausen spricht ja auch Klartext und grenzt die angepeilte Klientel klar ein.

Nicht auf den älteren, gehbehinderten Rentner ohne Auto, dafür aber mit kleinem Geldbeutel und Rollator zielt die Neuausrichtung des „gemeinnützigen“ Instituts, sondern offensichtlich mehr auf die Menschen, denen es so gut geht, dass sie sich ein eigenes Haus am Stadtrand leisten können.

Es verbleiben also nur noch ein einziger Geldautomat zwischen altbackenem Brot und die vage Hoffnung, dass die Entscheidung von den Verantwortlichen noch einmal überdacht wird…

Foto: Klaus Ahrens, Smartphone Huawei P10, CC BY-SA 4.0

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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