Das Wort zum Sonntag: Wikipedia will seine Benutzer vor datengeilen Politikern schützen

Die Gier nach Daten und Persönlichkeits- und Bewegungsprofilen bei den datengeilen europäischen Politikern kennt kaum noch Grenzen. Keine Woche, in der nicht in irgendeinem Land wieder ein neuer Vorstoss in Sachen Vorratsdatenspeicherung gemacht wird.

Und wie wir aktuell am neuen deutschen Meldegesetz sehen, will der Staat unsere Daten dann ja auch noch an windige Geschäftemacher verkaufen.

Vorgestern fühlte sich Wikipedia-Gründer Jimmy Wales genötigt festzustellen, dass das Online-Lexikon Wikipedia für englische Besucher verschlüsselt wird, wenn Großbritannien englische Provider verpflichtet, die von ihren Kunden aufgerufenen Internetseiten ein Jahr lang zu speichern.

Der englische Gesetzentwurf „Communications Data Bills“ soll Provider verpflichen, alle Daten wie Sender, Empfänger, Uhrzeit und Aufenthaltsort der Kunden dezentral ein Jahr lang zu speichern. Dabei geht es um den gesamten Internetverkehr, aber auch um Telefonate und Briefe.

So lassen sich enorm präzise Profile aller Menschen anlegen – der Stasi der DDR war dagegen weniger als ein Waisenknabe. Und wann immer Politiker oder hirnlose Menschen dazu in den Medien befragt werden, hört man: „Wenn man nichts zu verbergen hat…“.

Ich habe durchaus einiges zu verbergen, und ich kenne niemanden, bei dem das nicht auch so ist und der sich gerne nicht nur täglich oder stündlich, sondern permanent vom drittklassigen Verwaltungsneurotikern im Rathaus nebenan in die Unterhose schauen läßt.

„Wenn britische Internetprovider dazu verpflichtet werden, jede einzelne auf Wikipedia aufgerufene Internetseite zu speichern, würden wir sofort sämtliche Kommunikation nach Großbritannien verschlüsseln, so dass dortige Provider lediglich nachvollziehen können, dass mit Wikipedia kommuniziert wird – nicht jedoch, welche Seite aufgerufen wird“, sagt Wales dazu – klar und deutlich.

Einen ausführlichen Bericht dazu in Deutsch gibt es bei Golem.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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