Der „Darknet-Killer“ war überhaupt nicht im Darknet

Erst vor ein paar Tagen ist es passiert: Der Kindsmörder von Herne, Marcel Heße, bringt ein neunjähriges Kind und einen 22jährigen Freund jeweils mit Dutzenden Messerstichen um.

Dann soll er nach allen Medienberichten von seinen Taten im dunklen Teil des Internet, dem sogenannten Darknet, auch noch geprahlt haben.

Jeder, der als Krimineller nicht von der Polizei oder als Verfolgter nicht von den Häschern autoritäter Regierungen in aller Welt erwischt werden möchte (z.B. türkische Journalisten) und deshalb anonym surfen, posten oder Waffen, Drogen, Falschgeld oder Ähnliches kaufen oder verkaufen möchte, landet letztlich in diesem nur mit einem Tor-Browser erreichbaren Teil des Internet – eine sehr spezielle Welt für sehr spezielle Menschen.

Fake News von der Polizei

Soweit – so falsch. Inzwischen ist klar geworden, dass es auch hier um die allseits geliebten Fake News geht. Die beiden Morde hat der Täter zwar gestanden, er hat auch mit seinen Gräueltaten im Internet geprahlt, aber nicht im Darknet, wie uns nahezu die gesamte Medienwelt weismachen wollte. Urheber der Fake News ist in diesem Fall die Polizei.

Welche Rolle spielt das Darknet?

Im Laufe der Ermittlungen kassierte die Polizei einige ihrer „Informationen“ wieder ein. So sagte sie ja zunächst, es gebe ein Video der Tat, das im Darknet kursiere, dem abgeschlossenen dunklen Bereich des Internets.

Später teilte die Polizei dann aber mit, es gebe kein Video der Tat. Und auch das Darknet spielte in diesem Fall nicht wirklich eine Rolle, denn die Bilder hatte der Täter im frei zugänglichen normalen Internet veröffentlicht.

WhatsApp und 4Chan sind nicht im Darknet

Die Onlinedienste, die im Fall Herne eine spezielle Rolle spielten, weil Heße sich dort seiner Taten brüstete, waren – zumindest soviel weiß man inzwischen mit knapp einer Woche Abstand vom Geschehen – vor allem WhatsApp und 4Chan.

Den Messenger WhatsApp kennt vermutlich nahezu jeder Smartphone-Besitzer als Alternative zu teuren SMS und 4Chan ist ein per Internet frei erreichbares Bilderforum. Dort findet sich zwar auch recht viel Verstörendes, bei den Verstörten ist dieser Fotodienst aber durchaus populär.

Dort posten alle Benutzer als „Anonymous„. Mit dem Darknet haben aber beide Dienste nicht das Geringste zu tun. Darknet-Seiten lassen sich nur mit einem speziellen Browser ansteuern. (Hier wird das Darknet ausführlicher erklärt.)

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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