Der Hort der Freiheit schlägt wieder zu – Rassisten knüppeln gegen Schwarze, Alte und Reporter in Ferguson / USA

FergusonRassenunruhenAls kleiner Junge hörte ich schon vor über 60 Jahren, dass die USA (damals wie heute auf der Straße nur Amerika genannt) unsere Freunde und selbstlosen Helfer und ihr Land ein Hort der Freiheit seien.

Spätestens in der zweiten Hälfte der 60er Jahre begannen wir, das anders zu sehen. Die USA beerdigte zwar ihre rassistischen Gesetze Stück für Stück bis 1968 – die Einstellung der meisten amerikanischen Bürger ist aber bis heute geblieben.

Die Sklaverei im Grunde auch, die heutigen Sklaven in den USA sind die illegalen Einwanderer (die meisten aus Mexico), die man dort duldet, um sie auszubeuten. Dass der Rassismus der Amerikaner Blüten treibt wie in alten Zeiten, wissen wir nicht erst seit dem rassistischen Mord in Ferguson.

Zurzeit toben sich wieder rassistische weiße Amerikaner in Ferguson im früheren Sklavenstaat Missouri aus, nachdem einer der Ihren als Polizist einen unbewaffneten schwarzen Amerikaner mit 6 Schüssen regelrecht hingerichtet hatte.

Und wenn die Seelen der Schwarzen kochen und die Unterdrückten auf die Straße gehen und protestieren, weil der mörderische weiße Polizist nicht etwa festgenommen, sondern nur suspendiert wurde, schickt Gouverneur Jay Nixon erst die Dorfpolizei, dann die Autobahnpolizei und jetzt die Nationalgarde.

Das ist Anti-Deeskalation in Reinkultur, aber typisch für amerikanische “Officers” – wer nur einmal in die USA eingereist ist, kennt diese für freiheitsliebende Europäer befremdliche Selbstdarstellung fast aller amerikanischen Beamten.

GuardianFerguson20140819Inzwischen wurden viele Journalisten festgenommen, darunter auch drei Deutsche: Zwei Reporter der “Welt” und ein Reporter der “Bild” hatte es getroffen – einer der drei ist immer noch nicht wieder frei.

Scott Olson,  ein Fotograf der Bildagentur Getty, wurde in Gewahrsam genommen, als er Bilder von einer Demonstration in Ferguson aufnahm. Vor einigen Tagen war schon ein Reporter der “Washington Post” festgehalten worden. Amerikanische Pressefreiheit halt.

EpsteinFergusonJetzt traf es sogar die bekannte 90-jährige Aktivistin Hedy Epstein, geboren in Freiburg in Deutschland, die als Kind den Holocaust überlebte. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in den USA für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Fotos zeigen, wie mehrere Beamte die alte Frau abführen – die Arme wurden ihr und ihren Mitstreitern mit Kabelbindern auf den Rücken gebunden.

Die Unterdrückung der Schwarzen Mehrheit in Ferguson nimmt derartige Ausmaße an, das der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Behörden zur Achtung des Demonstrationsrechts in Ferguson aufforderte. Die Versammlungs- und die Redefreiheit müssten gewahrt werden, ließ Ban in New York von einem Sprecher erklären.

Die USA haben doch immer noch einen schwarzen Präsidenten. Dummerweise macht Obama, was er immer gemacht hat, seit er gewählt wurde: Hilflose Appelle, also Sprüche klopfen, und nichts tun. Man hört Statements der Regierung, dass die Polizei professionell handele (hätte ich Hühner in meiner Wohnung, würde jetzt lautes Lachen erklingen) und gegen bewaffnete Kriminelle stünde.

So werden aus einer 90-jährigen Holocaust-Überlebenden oder renommierten Reportern und Fotografen weltweit bekannter Zeitungen und Agenturen bewaffnete Kriminelle. Das ist Amerika, wie auch ich es auf meinen beiden Reisen dorthin kennen gelernt habe!

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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