Der Postillon scheitert als Videoformat im Fernsehen

Postillon24Der “Postillon” gehört zu den großen Erfolgsgeschichten im komischen Genre. Jetzt bringt der NDR die Sendung als “Postillon24” ins Fernsehen – und scheitert damit.

Der Spiegel schreibt dazu in seiner Online-Ausgabe:

Seit 2008 arbeitet Stefan Sichermann, ein ehemaliger Werbetexter, an seriös präsentierten Nachrichten mit einem erleichternden Dreh ins Sinnfreie. Damit ist er so erfolgreich, dass er inzwischen davon leben kann. 2013 hat ihn das Grimme-Institut mit einem Preis in der Kategorie “Information” ausgezeichnet – augenzwinkernd, versteht sich. In ihrer Begründung lobte die Jury, “Der Postillon” beraube täglich eine Nachricht ihrer “Verkleidung”, und die stehe “dann nackt da – dem Humor preisgegeben. Auch wenn einem manchmal das Lachen im Hals stecken bleibt vor lauter Wahrheit im Witz.”

Man kann ja geteilter Meinung sein, ob eine “Mutter, die bei der Geburt vertauscht wurde“, ein “Punk, der “jetzt auch” EC-Karten akzeptiert” oder die “Ehefrau, die wegen des Tinnitus ihres Mannes nicht einschlafen kann” nun zu den Tops of the Pops des Humors zu zählen sind.

Und viel besser kommt der “Beitrag zur drohenden Altersarmut, in dem die Bundesregierung eine Verdoppelung des Einwegpfands beschlossen hat, als wichtiger Bestandteil des Rentenpakets” und als “würdevolle Alternative zum Betteln“.

Bei “Postillon24” ist es offensichtlich egal, über wem da Spott und Häme ausgeschüttet werden, eine politische Haltung ist eher nicht erkennbar. Wohl auch deshalb will das, was im anarchischen Internet häufig genug funktioniert, im hierarchischen Fernsehen nicht wirklich zum Burner.

Wirklich zum Ablachen war eigentlich nur der Wetterbericht am Ende mit seinem “Dreckstief aus dem Westen, das Schneeregen mit sich bringt, den jetzt echt kein Schwein mehr gebraucht hat und der das ganze verdammte Wochenende lang anhält“.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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