Der wirtschaftliche Niedergang der Türkei

Es gibt immer mehr türkische Lira für einen Euro (heute 7,7 Lira/Euro), und diese Lira-Krise treibt die Inflation in der Türkei immer weiter an.

Im August sind in der Türkei die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um fast 18 Prozent gestiegen, informierte das Statistikamt. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2003 in der Türkei und übertrifft die Befürchtungen der Analysten. Im Juli hatte die Rate noch bei 15,85 Prozent gelegen.

Notenbank kündigt Maßnahmen an – aber mehr auch nicht

Die türkische Notenbank zeigte sich natürlich besorgt und signalisiert angesichts des der riesigen Probleme jetzt ihre Bereitschaft zum Handeln: „Die Zentralbank wird die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Preisstabilität zu unterstützen. Jüngste Entwicklungen bezüglich der Inflationsaussichten weisen auf deutliche Risiken für die Preisstabilität hin.“

Weiter hieß es man werde daher die Geldpolitik bei der am 13. September anstehenden Notenbanksitzung an die jüngste Entwicklung anpassen. Die türkischen Zentralbänker unter der Kontrolle der Familie Erdogan scheinen ja alle Zeit der Welt zu haben…

Der Niedergang der Lira geht weiter

Die Lira wurde durch die Ankündigung der Zentralbank sowohl zum Euro als auch zum Dollar kaum nennenswert gestützt.

Dabei hat die Landeswährung schon seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent zum Dollar verloren. Das macht dann die Importe teurer, was dann in Folge die Inflation anheizt.

Aber nur mit höheren Zinsen könnte die Lira wieder attraktiver für Anleger gemacht und der Kurs damit deutlicher gestützt werden – wenn überhaupt. An eine offizielle Zinserhöhung wollen die Währungshüter aber auf Geheiß des islamistischen Diktators Erdogan bislang ab – der Mann hat seine eigenen, kruden Vorstellungen davon, wie die Wirtschaft funktioniert.

Diktator Erdogan will keine höheren Zinsen

Denn Präsident Recep Tayyip Erdogan (auch gerne 10%-Tayyip genannt), hat mehrfach öffentlich klar gemacht, dass er ein Gegner höherer Zinsen ist. Investoren verhalten sich wie das sprichwörtliche „scheue Reh“, denn sie sehen zunehmend die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank in Gefahr. Viele Experten halten eine Zinsanhebung für unabdingbar, um die Lira-Krise wirklich in den Griff zu kriegen.

Auf längere Sicht machen der Türkei ihre hohes Außenhandelsdefizit, ihre hohen Auslandsschulden und auch die steigende Zinsen in den USA schwer zu schaffen.

Gerade die höheren Zinsen (aktuell ca. 5%) in den USA könnten dazu führen, dass Anleger ihr Kapital lieber auf dem sicheren US-Markt anlegen, als in Schwellenländern. Das merkt nicht nur die Türkei, sondern auch die G5-Staaten China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika.

Die ersten ungeeigneten Maßnahmen der Notenbank

Als Reaktion auf die Lira-Krise hat die türkische Notenbank schon die Reserve-Anforderungen an bestimmte Währungsgeschäfte angehoben und den türkischen Banken zusätzliche Refinanzierungsgeschäfte und Möglichkeiten zum Leihen von Fremdwährungen angeboten. Zusätzlich verwehrte sie den Banken den Zugang zum niedrigsten der drei wichtigen Leitzinsen in der Türkei.

Erdogan hat die Probleme durch eine weitere Geiselnahme selbst ausgelöst

Die Lira-Krise hatte sich im letzten Monat sehr deutlich (1 € = 8 Lira) zugespitzt, nachdem US-Präsident Donald Trump, der Mafioso im Weißen Haus, Strafzölle auf Aluminium und Stahl aus der Türkei verhängte.

So reagierte der US-Präsident, weil Erdogan den amerikanischen Priester  Andrew Brunson verhaftet hatte, um ihn dann in der Erdogan-typischen Manier im Austausch gegen Erdogans Erzfeind Fethullah Gülen, der seit Jahren im Asyl in den USA lebt, wieder freizulassen.

Durch eine sehr ähnliche Geiselnahme von Deniz Yücel  hatte Erdogan seine Methode schon einmal ohne Erfolg anzuwenden versucht.

Die ganze Diktatorenfamilie Erdogan mit rosaroter Brille

Gerade erst hatte Finanzminister Berat Albayrak, seines Zeichens Erdogans Schwiegersohn, Geschäftsmann und türkischer Finanzminister, mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, dass er keine großen Wirtschaftsrisiken für sein Land sieht. Der Mann kauft wahrscheinlich seine Lebensmittel nicht selbst auf dem Markt ein…

In einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters wiederholte Albayrak diese Aussage sogar noch, außerdem beteuerte er auch noch frech und wider besseres Wissen die Unabhängigkeit der Notenbank: „Die Zentralbank in der Türkei ist wahrscheinlich unabhängiger als in manch anderen Ländern.“

Wirtschaftsfachleute in aller Welt warnen vor dem Erdogan-Familienclan, der die ganze Türkei im Würgegriff hat, und auch die Investoren sehen die Situation weiterhin anders als Familie Erdogan und ziehen ihr Kapital immer mehr aus der Türkei ab.

Bild: Recep Tayyip Erdogan, CC BY-SA 2.0, Prime Minister Office

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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