Die NSA stuft anonyme Surfer als Extremisten ein

NSAHeadFortMeadeMarylandWer sich im Internet mit Anonymisierung beschäftigt oder sich einfach nur darüber informiert und deshalb beispielsweise nach den Tools „Tails“ oder „Tor“ sucht, wird bei der NSA als „Extremist“ gespeichert und bespitzelt. Das soll so direkt im Quellcode der NSA-Software XKeyscore hervorgehen.

ARD und WDR berichten, dass in diesem Code eine deutsche IP-Adresse als Ziel markiert ist. Die gehört zu einem Server des Informatikstudenten Sebastian Hahn aus Erlangen, der darauf einen Verzeichnisserver für das Anonymisierungsnetzwerk Tor laufen lässt, also eine Liste mit allen Tor-Servern.

Darauf wird täglich hunderttausende mal zugegriffen; alle diese Zugriffe werden nach dem Bericht von der NSA markiert und abgespeichert. Auch die anderen Tor-Verzeichnisserver werden demnach so überwacht. Die Menschen, die das Tor.Netz nutzen, werden dann ganz gezielt von der NSA ausspioniert, auch die Inhalte ihrer Emails.

Mir kann es im Grunde egal sein. Ich war im vorigen Jahrhundert einige Male in den USA und möchte nach meinen dabei gemachten Erfahrungen nicht mehr in diese verlogene Gesellschaft einreisen.

Wie man Extremist wird

Ich bin also ein Extremist. In guter Gesellschaft von anderen Bloggern und Journalisten, Anwälten und Menschenrechtsaktivisten in aller Welt, 

Nicht etwa, weil ich viele kritische Artikel zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen des IT-Zeitalters und insbesondere zu den Spionagetätigkeiten der Geheimdienste von NSA über GCHQ bis BND verfasst habe.

Als Extremist ordnet mich die NSA ein, weil ich mich dafür interessiere, wie man anonym im Internet surfen kann. Die einfache Formel lautet: anonym = Extremist. Vermutlich werden auch die Absender aller bei der Deutschen Post gescannten Briefe (die scannen jeden Brief) in die NSA-Liste der Extremisten gesetzt, denn normale Briefe sind ja auch anonym – solange sie niemand durchleuchtet oder sie gar öffnet.

Die Regierung schützt uns nicht vor der Ausspähung

Ob der Generalbundesanwalt Harald Range, den man zur Jagd auf diese Art Gesetzesbrecher ja eher tragen musste, diese neue Enthüllung bei seinen Untersuchungen berücksichtigt, ist schwer zu sagen. Es heißt von dort, man prüfe alle Hinweise.

Dabei ist mit dem Studenten Sebastian Hahn jetzt nach Angela Merkel der zweite Deutsche namentlich bekannt, der ganz gezielt vom amerikanischen Geheimdienst NSA ausspioniert wird.

Pervers und verrückt

Sebastian Hahn findet seine enthüllte Ausspähungdurch einen fremden Geheimdienst „schockierend„. Er wollte etwas Gutes tun und sei dadurch „in den Fokus der Geheimdienste“ der Geheimdienste geraten: „Das ist ein Rieseneingriff in meine Privatsphäre.

Konstantin von Notz, der für die Grünen Mitglied im NSA-Untersuchungsausschuss ist, bezeichnete das als „verheerend„. Bisher sei die einzige Antwort der Bundesregierung auf den NSA-Skandal gewesen, dass sich Bürger sich im Internet selbst schützen müssten , sagte er im ARD-Morgenmagazin. „Und nun stellen wir fest, dass gerade die, die verschlüsseln und das nutzen, überwacht werden. Das ist pervers und verrückt.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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