Die Uni Zürich sperrt ungewollt Webseiten per Porno-Filter

pornoManche lernen es nie. Die Universität Zürich hat in ihrem Netz eine Filtersoftware installiert, die den Zugriff auf Porno-Seiten sperren soll. Doch der Filter schießt weit über sein Ziel hinaus.

Die Filtersoftware, die von der Universität Zürich (UZH) vor kurzer Zeit installiert wurde, filtert offensichtlich weit mehr als geplant. Der Zweck des Filters sollte es eigentlich sein, den Zugriff auf Porno-Seiten zu sperren. Gefiltert werden dadurch aber auch zahlreiche Seiten, die mit Pornografie nichts zu tun haben – eine bekannte Unzulänglichkeit nahezu aller Filterprogramme.

Der Chaos Computer Club (CCC) Zürich hat eine Liste mit Webseiten veröffentlicht, die, so der Hackerclub, “wir bemerkenswert finden und pornofrei sind, an der UZH aber als pornografisch gelten und zensiert werden”. Unter den gefilterten Webseiten befindet sich beispielsweise eine Webseite mit dem Namen Anspornend.de, auf der Trainingsanzüge, Notizblöcke und Fahrräder beworben werden. Der Zensurfilter schlug wohl an, weil sich in “anspornend” das Wort porn  (englisch für Porno) verbirgt. Auch eine Initiative, die sich gegen Pornografie ausspricht, wird vom Filter ausgesperrt.

Daneben befinden sich in der Sperrliste eine ganze Reihe von Seiten, bei denen völlig unklar ist, warum sie auf der Sperrliste landeten. Darunter sind zahlreichen Seiten, auf denen überhaupt kein Inhalt gehostet wird, eine Webseite spanischsprachiger Juristen in den USA und ein Tarotkartenverkauf.

Die Universität Zürich wollte ach einem Artikel der Neuen Züricher Zeitung keine genaueren Informationen darüber bekanntgeben, welche Filtersoftwarebenutzt wird. Eine Universitätssprecherin sagte dazu nur, man habe “von einem weltweit etablierten Hersteller eine Filterliste abonniert”. Nach dem CCC Zürich handelt es sich vermutlich um das Programm Fortiguard.

“Nach unseren Tests sind etwa die Hälfte der Seiten ‘false positives’, enthalten also überhaupt keine Pornografie”, sagte der Sprecher des CCC Zürich Hernani Marques dazu. “Besonders skandalös finden wir, dass die Universität hier eine Firma unterstützt, deren Filtersoftware an anderer Stelle auch für politische Zensur zum Einsatz kommt und etwa politisch ‘extreme’ Seiten oder ‘Alternative Beliefs’ sperrt. Wir fordern von der Universität, die Filtersoftware umgehend wieder zu entfernen.”

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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