Googles Ara – die Hybris eines bunten Vogels

Ara_neu_1_screenKennen Sie Ara schon? So nennt sich ein Smartphone-Projekt von Google, bei dem alle Komponenten steckbar sind. Das ist ähnlich  den Einsteckkarten für PCs auf dem Motherboard – nur viel weitgehender. Auch zentrale Komponenten wie der Prozessor, der Speicher oder der Akku sind bei Ara Module.

Das Konzept hinter dem bunten Vogel

Das Gute daran soll angeblich sein, daß jemand, der nicht mit dem Smartphone fotografieren will, statt der Kamera einen zusätzlichen Akku einstecken kann, um die Zeit bis zum Nachladen zu verlängern – oder mehr Speicher, um mehr Apps gleichzeitig laufen lassen zu können.

Diese Idee hinter Ara steht in starkem Kontrast zum Markt. Smartphones sind inzwischen Wegwerfgeräte geworden, bei vielen kann man noch nicht mal mehr den Akku austauschen und Anbieter werben mit dem Slogan: “Jedes Jahr ein neues Smartphone“.

Orientiert man sich dabei an den PCs, dann ist das Konzept der Modularisierung mit seinen enormen Mehrkosten für Verkabelung und Steckverbinder eigentlich schon jetzt ein totgeborenes Kind, das sich im Sande verlaufen hat. Schließlich sind in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr Komponenten von der Grafikkarte über den Netzwerkanschluss bis zu den I/O-Schnittstellen vom Busstecker direkt auf das Motherboard gewandert, und das hat sich auch bei Herstellern und Kunden bewährt und die Kosten niedrig gehalten.

Keine Chance für bunte Vögel aus Holland

Das lustige Ara-Konzept stammt natürlich von den Spassmachern aus Holland, Google hat es nur gekauft. Eine wirkliche Chance auf dem Markt hat es wohl kaum – es wird ein bunter Vogel bleiben, den man nicht kaufen kann (und auch nicht wirklich will).

Der Gedanke modular aufgebauter Smartphones passt einfach nicht zur Realität der irreparablen Wegwerf-Mobilgeräte. Der Mehraufwand für die konzeptbedingten Nachteile der Ara-Smartphones wie beispielsweise den Bus, entsprechend präzise Steckverbindungen und magnetische Verriegelungen ist einfach zu hoch.

Der Vogel ist tot – das hat ihm nur noch niemand gesagt

Das ist eigentlich auch Google inzwischen klar geworden, denn nach neuesten Verlautbarungen sollen die Ara-Module in Zukunft nicht nur in Smartphones, sondern auch in Autos oder Fernseher gesteckt werden können, erklärte der neue Project-Ara-Chef Paul Eremenko auf einer Frage-und-Antwort-Session an der Purdue-Universität im US-Bundesstaat Indiana.

Vielleicht ist der Grund für den den Ausstieg des Ara-Chefdesigners Dan Makoski vor wenigen Monaten auch eher hier zu suchen…

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
Dieser Beitrag wurde unter Fotografie, Internet, Kommentar, Mobilgeräte, News, Programmierung, Soziales, Wirtschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Googles Ara – die Hybris eines bunten Vogels

  1. Pingback: Ein Ara lernt von Griechenland | Klaus Ahrens: News, Tipps, Tricks und Fotos

  2. Pingback: Puzzlephone: Noch ein modulares Smartphone | Klaus Ahrens: News, Tipps, Tricks und Fotos

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.