Hetzjagd der konservativen Kampfpresse auf den Guardian: Wer sind hier eigentlich die Terroristen?

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0e/The_Guardian.svg/250px-The_Guardian.svg.pngWeil der “Guardian” geheime NSA-Dokumente veröffentlicht hat, steht die Zeitung in Großbritannien als Terrorhelfer am Pranger. Die konservative Kampfpresse hilft den Geheimdiensten gern bei der Gegenoffensive – auch Rache ist ein Motiv.

Und es gibt nach einem Bericht von Spiegel Online auch eine beispiellose, weltweite Gegenreaktion:

Die Chefredakteure der führenden Zeitungen der Welt, darunter “New York Times“, “Washington Post“, SPIEGEL, “FAZ“, “SZ“, “Le Monde” und “El País“, sprangen diese Woche dem britischen “Guardian” bei. In schriftlichen Stellungnahmen lobten sie die Veröffentlichung der Geheimdienstdokumente von NSA-Whistleblower Edward Snowden als Dienst an der Demokratie.

Dass der “Guardian” den internationalen Beistand brauchte, liegt an den konservativen britischen Medien. Denn seit der eher linke “Guardian” im Juni mit der Enthüllung der NSA-Dokumente begann, spielen die konservativen Zeitungen auf der Insel wieder “Kalter Krieg”.

Die gesamte konservative Presse in Großbritannien ist auf einem Feldzug gegen die vermeintlichen Vaterlandsverräter aus Nord-London. Den bisherigen Höhepunkt lieferte die “Daily Mail” vorgestern: Die auflagenstärkste britische Zeitung beschimpfte den “Guardian” in einem Leitartikel als “die Zeitung, die unseren Feinden hilft“.

Da lese ich heraus, dass ich einer der Feinde der Briten bin, denn mir hat der “Guardian” geholfen, die Missachtung meiner Grundrechte durch die amerikanischen und englischen Schnüffler (und auch durch die deutschen Schlapphüte vom BND unter Stasi-Merkel) einer breiten Öffentlichkeit bewußt zu machen – auch wenn das nur ein Anfang sein kann.

Die “Mail” stieß ins gleiche Horn. Sie berief sich auf den Chef des britischen Inlandsgeheimdiensts MI5, der am Dienstag gewarnt hatte, die Entblößung der technischen Fähigkeiten des Abhördienstes GCHQ sei ein “Geschenk” für Terroristen, die nun “nach Belieben zuschlagen” könnten.

Der konservative Premierminister David Cameron erhöhte den Druck dann noch, als er im Unterhaus die Presse an ihre staatspolitische Verantwortung erinnerte und dazu aufrief, zur Sicherheit des Landes beizutragen. Zensur von ganz oben angeordnet – das ist offensichtlich das britische Verständnis von Demokratie.

Genüsslich präsentierten die regierungstreue Blätter “Times” und “Daily Telegraph” die offizielle Kritik am “Guardian”. Anstatt die Kollegen gegen die Angriffe auf die Pressefreiheit von oben zu verteidigen, machten sie lieber gemeinsame Sache mit den Mächtigen.

God shave the Queen…

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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