Kabel: Wird der Zwangsanschluss abgeschafft?

Auch der Streamingdienst Waipu TV nennt die Abrechnung des Kabelnetzzugangs über die Nebenkosten des Vermieters eine Innovationsbremse.

Waipu-Chef wettert gegen das „Nebenkostenprivileg“ der Kabelanbieter

Für den Betreiber des Internetfernseh(IPTV)-Dienstes Waipu TV ist die Abrechnung des Kabelnetzzugangs über die Nebenkosten des Vermieters der Grund dafür, dass die betroffenen Mieter gezwungen werden, für ein „veraltetes TV-Produkt völlig überhöhte Preise zu zahlen“.

So deutlich sagte das der Chef des IPTV-Anbieters Waipu TV, Christoph Bellmer, bei einem Interview mit Golem. „Das Nebenkostenprivileg ist ein Relikt aus den 80er Jahren. Damals vielleicht sinnvoll – heute jedenfalls fungiert es als Innovationsbremse und sorgt nur noch für immense, risikolose Gewinne der Kabelunternehmen“, unterstrich Bellmer. Dadurch finde auf dem Kabel auch de facto kaum Wettbewerb statt.

Durch das „Nebenkostenregime“ gingen die Gewinne der Kabelunternehmen zu Lasten der Mieter. Die mangelnde technische und kostenbedingte Flexibilität der meisten dieser TV-Produkte gehe „vollkommen an der Realität der mittlerweile an Netflix und Spotify gewöhnten Nutzer vorbei“, ließ sich Bellmer weiter zur Abschaffung des Nebenkostenprivilegs aus, das den Mietern endlich den „Zugang zu preiswerteren und moderneren Produkten“ bringe.

Jeder dritte Kabel-Zwangsbeglückte zahlt zusätzlich für andere Angebote

Durch eine Befragung der Waipu-Nutzer mit Kabelanschluss kam heraus, dass 35 Prozent parallel noch einen Kabelanschluss nutzen und dafür nach ihren eigenen Angaben 11 bis 20 Euro im Monat bezahlen.

Diese Parallelnutzung erfolge zum größten Teil, weil der Kabelanschluss nicht gekündigt werden könne, weil der Hausanschluss in den Nebenkosten enthalten und unkündbar sei, machte Bellmer deutlich. In anderen Fällen würden die Fristen der Kabelanbieter eine Kündigung erst zu einem späteren Zeitpunkt zulassen.

Widerspruch von den legalen Raubrittern am Kabelanschluss

Die Abschaffung der Abrechnung des Zwangs-Kabelnetzzugangs über die Nebenkostenabrechnung des Vermieters führe dazu, dass über zwölf Millionen Haushalte in Zukunft Einzelverträge abschließen müssten, argumentierte der Kabelnetzbetreiberverband Anga sofort dagegen. Dabei müssten die Mieter angeblich mit Mehrkosten von bis zu über 100 Prozent rechnen.

Über Klaus

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