Marketing-Clown Astro-Alex ist zurück auf der Erde

Heute ist wieder so ein Tag, an dem man sich dem Mann einfach nicht entziehen kann – jetzt gegen 6 Uhr morgens gibt es keine Chance, einen Fernsehkanal einzuschalten, ohne auf den Marketing-Clown der ESA und Pseudo-Astronauten „die Glatze“ Alexander Gerst mit dem selbst vergebenen Spitznamen „Astro-Alex“ zu stoßen.

Astro-Alex ist um 6 Uhr wieder auf der Erde gelandet

Bei Howard Wolowitz aus der Nerd-Soap „Big Bang Theory“ hat das mit dem Spitznamen ja auch nicht so richtig funktioniert. Die Nachricht hinter der erneut massiven Präsenz des Komikers von Welt über ARD und ZDF bis n-tv um 6 Uhr früh war einfach nur:

Heute früh ist Alexander Gerst mit einer russischen Sojus-Kapsel aus der Umlaufbahn wieder auf die Erde zurückgekehrt.

Fake News aus der Umlaufbahn

Gerst mag ja viele Fans haben, aber für mich ist er der Populist unter den ESA-Mitarbeitern, der auch kein Problem damit hat, Dinge so weit zu vereinfachen, bis sie schlicht und ergreifend nicht mehr wahr sind.

Wenn der Pseudo-Astronaut zum Beispiel behauptet, die ISS sei der „einzige Ort außerhalb unseres Planeten, an dem Menschen leben“, ist das schon ziemlich schräg, denn eine Blechbüchse, die so nah um die Erde kreist, dass man von dort aus noch nicht einmal ein Vollbild des Planeten fotografieren kann, ist doch maximal per Definition im Weltraum. und das sind wir ja im Grunde sowieso auch alle auf dem Planeten Erde.

Wer sich auf einem Globus mal die Strecke von etwas über 400 km zwischen Dortmund und Leipzig  anschaut und die dann ins Verhältnis zum Erddurchmesser con 12.750 km setzt, kommt schnell auf die Wahrheit, nämlich dass das Umkreisen unseres verdreckten Planeten im Abstand von 400 km ehrlicherweise nicht als „Raumfahrt“ bezeichnet werden kann – und der recht niedrige Orbit auch nicht als „Weltraum“.

Wäre die Erde ein 30-Zentimeter-Globus, dann läge die Umlaufbahn der Blechbüchse noch nicht mal einen Zentimeter über der Kugel.

Um es mit Star Trek zu persiflieren: Der Weltraum – unendliche Weiten!

Die Kraftwerk-Kakophonie im Sommer

Nun gut – das mag fürs Marketing wichtig sein, und obwohl Marketing das Gift ist, das die Köpfe der Menschen für Lügen empfänglich gemacht und damit für den inzwischen schon real grassierenden Überwachungs-Kapitalismus vorbereitet hat, könnte man dafür noch irgendwie Verständnis haben.

Wenn der als „deutscher Kommandant“ immer etwas zu patriotisch herüberkommende  (klingt irgendwie nach Wehrmacht) orbitale Clown sich dann aber mit seinem Tablet mehr schlecht als recht mit den Musikern von Kraftwerk beim Jazz Open in Stuttgart zusammenschaltet, ist das in meinen Ohren auch keine Weltraum-Jam-Session, sondern mehr Synthesizer-Schrott vom Tablet. Und es beweist auch, dass die enge Umlaufbahn um die Erde nicht wirklich der Weltraum ist.

Synchronicity

Wenn ein Musiker auf der Erde einen Ton spielt, dauert es schon etwas mehr als eine Sekunde, bis der mit Lichtgeschwindigkeit gesendete Ton bei einem Musiker auf dem Mond ankommt. Spielt der jetzt noch einen Ton dazu, braucht es eine weitere gute Sekunde, bis der „Erdling“ dann auch den Ton des „Mondmenschen“ hört.

Eine Jam-Session mit zweieinhalb Sekunden Verzögerung zwischen den Musikern würde ich mir lieber nicht antun wollen, dafür gibt es das Wort „Kakophonie“ – und das klingt auch Kacke. Und der Schöpfer des Police-Songs „Synchronicity“, Sting, dürfte sich dabei im Grab umdrehen, obwohl er ja noch lebt… 😉

Hybris

Wenn sich Astro-Alex dann aber wie bei dieser Pseudo-Weltraum-Jam-Session im letzten Sommer bei einem Kraftwerk-Konzert in Stuttgart zu einer Aussage wie

„Ich befinde mich gerade als einer von nur sechs Menschen im Weltraum, auf dem Außenposten der Menschheit, der Internationalen Raumstation ISS, in 400 Kilometer Höhe. Die ISS ist eine Mensch-Maschine – die komplexeste und wertvollste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat.“

versteigt, ist das so falsch wie es nur sein kann.

Um weihnachtlich zu bleiben: Wer die technisch aus guten Gründen eher robuste als komplexe Blechbüchse, die wohlgeschützt vom Magnetfeld der Erde unseren Planten in einer engen Umlaufbahn umkreist, über Maschinen wie den großen Hadronenbeschleuniger CERN in der Schweiz oder gar die aktuell besten Fusionsreaktoren, den Stellerator „Wendelstein“ in Greifswald und den Tokamak ITER in Südfrankreich stellt, hat nicht mehr alle Nadeln an der Tanne und degradiert sich auch selbst vom Wissenschaftler zum Marketing-Clown.

Foto: MPI,  CC BY-SA 3.0

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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