Mit einem Judaslohn gegen illegale Software

BSA-KopfgeldErstmalig bietet der Branchenverband Business Software Alliance (BSA) in Deutschland Belohnungen für Hinweise auf unlizenzierte Software in Firmen an. Das gab die BSA heute bekannt. Mit Anzeigen auf Facebook und ähnlichen Aktionen wirbt der Verband dafür, ihm Hinweise zu geben und illegale Software zu melden.

Manche nennen es ein Kopfgeld, ich bevorzuge den Ausdruck Judaslohn, der trifft es genauer. Mit Formulierungen wie „Zivilcourage zahlt sich aus!“ oder „Du weißt von illegaler Software im Job? Melde jetzt unlizensierte Software und kassiere dafür eine Belohnung!“ versucht die BSA in Deutschland wieder ein Denunziantentum einzuführen, das sich auch letztlich gegen die Wirtschaft richtet.

Mit Zivilcourage hat das nun aber wirklich gar nichts zu tun, dazu fehlen die hehren Ziele – höchstens mit Käuflichkeit, Verrat und letztlich auch mit Selbstzerstörung. Und wer so etwas aus Geldgier macht, die im Strafrecht zu den niederen Motiven zählt, sollte auch wissen, dass sein Arbeitsplatz danach so oder so weg ist. Ob sich das dann immer noch rechnet?

Senior Director Georg Herrnleben von der BSA meinte jetzt dazu: „Die Belohnung für Hinweise auf unlizenzierte Software in Unternehmen kann bis zu zehn Prozent der Schadensersatzzahlung betragen – bis zu einer Obergrenze von 10.000 Euro. Belohnungen zahlt die BSA nur für Hinweise, die zu einem für die BSA oder ihre Mitgliedsfirmen erfolgreichen Urteil oder Vergleich führen.“

Potentielle Whistleblower über die sozialen Medien anzusprechen, sei ein guter Weg, um Aufmerksamkeit zu erlangen und das Risiko zu unterstreichen, das Unternehmen eingingen, wenn sie unlizensierte Software einsetzten, heißt es weiter.

Ich halte das für einen Mißbrauch des Begriffs Whistleblower. Menschen wie dem aktuell bekanntesten Whistleblower Ed Snowden kann man sicher nicht vorwerfen, dass sie aus Geldgier für einen Judaslohn ihren Arbeitgeber verraten und verkauft haben, sondern sie haben teils gravierende Einbußen in Geld und Freiheit hingenommen, um die Freiheit aller anderen zu schützen.

Whistleblowing hat mit der Förderung des Denuntiantentums durch die BSA aber wirklich nichts gemeinsam…

Herr Herrnleben klingt jetzt ja auch ganz anders als noch im  Februar 2014, als derselbe Mann herumgetönt hatte: „In manchen Ländern sind Belohnungen ein akzeptiertes Mittel, um Hinweise zu erhalten, in anderen Ländern wie Deutschland aber sind sie aus kulturellen oder historischen Gründen nicht angebracht.“

Eine üble Tour von einem üblen Branchenverband. Die sollten sich für den Schwachsinn entschuldigen und und sowas nie wieder probieren – nicht nur in Deutschland. Wir hatten schon genug Blockwart- und Stasi-Mentalität in unserem Land.

Dem „Herrn Direktor“ Georg Herrnleben sei noch ins Poesiealbum geschrieben:

Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant!

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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