Passbilder per DE-Mail zur Behörde ?

demailPilotprojekte zum Versand von Passfotos per De-Mail laufen nach einem Bericht von Golem jetzt in zwei deutschen Städten an. Die Einbindung von Fotoautomaten sei über ein De-Mail-Gateway realisierbar, das vom Betreiber eingesetzt werden könnte, hört man vom BSI.

Das klingt, als sei es keine Frage, dass – ja wer eigentlich? – sein Passbild an – ja wen eigentlich? – verschickt, um in Köln oder Göttingen einen neuen Ausweis zu bekommen.

Eigentlich geht es dabei um das vom BSI Anfang des Monats auf der Cebit medienwirksam angekündigte Pilotprojekt, das drei Monate laufen soll. Im Projekt sollen zunächst Erfahrungen zur Praxistauglichkeit gesammelt werden. Die Stadtverwaltung in Göttingen erhofft sich nach dem Bericht davon Erleichterungen für Antragsteller und Behörden.

Wer allerdings erlebt hat, was ich alles erlebt habe, als ich meiner Krankenkasse, der DAK, zwangsweise ein Passfoto zukommen lassen musste, um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) zu bekommen und damit auch in diesem Jahr noch ohne Vorkasse zum Arzt gehen zu können, könnte sich schon brüllend vor Lachen auf dem Bodeln kringeln.

Es klingt zwar mehr als lustig, wenn die Internet-Formulare nicht nutzbar sind (schicken Sie uns das Bild doch per Post) oder ihnen eine hochmotivierte, von Fachwissen völlig unbeleckte Jungbürokratin erläutert, dass sie das Foto, das Sie ihr im JPG-Format als Email-Anhang geschickt haben, leider nicht brauchbar ist, weil man es nicht scannen kann.

Für den Betroffenen ist das aber gar nicht lustig. Die Inkompetenz aller Beteiligten füht letztendlich dazu, dass Sie zwischen 10 und 20 Euro bei einem Fotografen bezahlen und das dort gemachte Foto gegen Zahlung von Porto per Schneckenpost zur DAK senden müssen.

Und das wird bei dem DE-Mail-Experiment nicht anders sein. Bei dieser Transfermethode für ein Passbild kommt dann auch noch eine Schnüffelschnittstelle der deutschen Politik im DE-Mail-System hinzu – von Datenschutz kann hier also auch keine Rede sein.

Und was das für ein Datenschutz sein soll, bei dem ein (möglicherweise vereidigter?) Fotograf erfährt, wer ich bin, dass ich einen neuen Personalausweis beantragt habe, wo ich wohne und sogar die Verantwortung dafür trägt, dass mein Passfoto letztendlich auf meinem neuen Ausweis landet, müssten mir die beteiligten Behörden, Geheimdienste und Politiker schon einmal erläutern. Alles nach der Devise “Wer nichts zu verbergen hat...”?

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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