Plasberg mit Verständnisproblemen in Sachen Anonymität

PlasbergDer ARD-Talkmaster Frank Plasberg hat in seiner Sendung “Hart aber fair” gestern Abend begründet, warum er dort  keine anonymen Zuschauerbeiträge mehr aufnimmt.

“Visier auf, Meinung und Name gehören zusammen”, sagte der Moderator dem Medienmagazin DWDL.de.

“‘Hart aber fair’ hatte immer das Motto ‘Talk auf Augenhöhe’ und für Augenhöhe braucht man ein offenes Visier und sollte seinen Gegner mindestens mit seinem Namen kennenlernen und ansprechen können”, sagte Plasberg. “Wenn sich jemand Cassandra23, Miesepeter24 oder A.Donis nennt, dann zeigt das für mich einen gewissen Unwillen, mit seinem Namen oder seinem Gesicht für seine Meinung einzustehen.”

Er habe es aber immer als beschämend empfunden, wenn er seinen Gesprächsgästen nicht sagen konnte, wer ihnen da gerade scharf widerspricht. “Ich hatte aber, offen gesagt, auch Angst mich gegen anonyme Kommentare auszusprechen. Ich will ja weder als Ewiggestriger gelten noch als Internet-feindlich oder gar undemokratisch den Zuschauern gegenüber. Ich glaube die Sorge hat mich lange gehemmt, aber gestört hat mich das schon länger und im Dezember, als ich noch mal intensiv das Gästebuch durchgelesen habe, ist mir die Hutschnur geplatzt.”

Plasbergs erster Denkfehler

Das klingt heroisch und gequält verantwortungsbewusst – ist es aber nicht. Jeder Mensch hat Menschen über sich, von denen er abhängig ist, und dass er nicht will, dass diese Arbeitgeber oder Vorgesetzten ihm eine kritische Aussage durch Nennung seines echten Namens zuordnen können, ist ein sehr gesunder, die Sozialkassen schonender  “Unwille”. Eigentlich ist diese neue Regelung ein typischer Fall von Selbstkastration.

Wenn Arbeitgeber und Vorgesetzter einen Meinungsbeitrag gerade zu kritischen Themen ihrem Angestellten oder Untergebenen zuordnen können, würde sich nach den ersten schlechten Erfahrungen damit wohl niemand mehr trauen, seine wirklich Meinung zu einem kritischen Thema sagen.

Wer sich nur unter seinem echten Namen äußern kann, wird, wenn er dann überhaupt noch an solchen Befragungen teilnimmt, nur das sagen, was sein Chef gerne dazu von ihm hören möchte, um keine Nachteile im Beruf zu erleiden.

Aber vermutlich äußern sich Abhängige (das ist die überwiegende Mehrheit) dann gar nicht mehr.

Plasbergs zweiter Denkfehler

Oder sie greifen zu einem unkontrollierbaren Trick, der ja hier auf der Hand liegt: Man kann ja auch als “Michael Meier”, “Martina Müller” oder unter irgendeinem anderen frei erfundenen, aber echt klingenden Namen seinen Beitrag leisten – egal wie man wirklich heißt.

Herr Plasberg kann sich noch so viel Sachverstand dazu kaufen, er wird das selbst mit Hilfe der NSA nicht verhindern können.

Bis vor kurzem kannte ich sogar ein Forum (http://forum.perry-rhodan.net), in dem man eine Kopie seines Personalausweises per Email vorlegen musste, um direkt mitdiskutieren zu können.

Diesen ebenfalls fehlgeleiteten Machern kann man aber im Gegensatz zu Herrn Plasberg noch zu Gute halten, dass auch anonym gepostet werden konnte, diese Beiträge aber erst nach Sichtung durch einen Moderator freigeschaltet wurden.

Wie auch immer – inzwischen haben die Verantwortlichen bei Perry Rhodan ihren Fehler erkannt, und man kann dort seit dem letzten Tapetenwechsel auch wieder anonym posten.

Also Herr Plasberg: Nochmal hinsetzen, tief einatmen, richtig drüber nachdenken und dann den Unsinn sein lassen, wenn Sie auch wirklich kritische Stimmen unter den Kommentaren haben möchten!

Es gibt gute Gründe, im Internet anonym unterwegs zu sein, und das sollte auch so bleiben!

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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