Ride Sharing gibt es leider nur in den Metropolen

Als Bürger des kleinen Münsterlandstädtchens Lüdinghausen mit ungefähr 25.000 Einwohnern kann ich das Problem nicht wirklich nachvollziehen. Hier hat man eben ein Auto oder man hat keins. Im ersteren Fall ist man mobil, im zweiten nicht.

Ist der Ruf erst ruiniert…

Es gibt für Menschen ohne Auto wie mich in Lüdinghausen höchstens die Taxen, die hier ein Monopolist mit den entsprechenden Auswüchsen betreibt – im Grunde hat man da als Autoloser gar keine Mobilität mehr.

Es ist ja auch kein Geheimnis, dass es mir widerstrebt, eine Branche durch Fahrtaufträge mit zu finanzieren, deren lokaler Vertreter sich dermaßen asozial und seines Monopols bewusst verhält, wie es unser Taxen-Monopolist hier in Lüdinghausen tut.

In den größten Städten Deutschlands sieht das allerdings ganz anders aus: Hier empört sich das traditionelle Taxigewerbe medienwirksam über neue Mitfahrdienste, die aktuell vor allem in den Metropolen an den Start gehen.

In den Metropolen wird gejammert

Der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP, Michael Müller, sagte der Welt am Sonntag dazu, die neue Konkurrenz sei „inakzeptabel“. Die neuen Ride-Sharing-Anbieter müssten denselben Service bieten wie die Taxibranche, ansonsten seien doch die  Wettbewerbsbedingungen nicht gleichen. Müller wirft den neuen Anbietern „Rosinenpickerei“ vor – warum habe ich dann bloß immer meine Erfahrungen mit unserem Lüdinghauser Taxi-Monopolisten vor Augen?

Erst vor ein paar Tagen haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und Daimler zusammen flexible Mitfahrangebote angekündigt. In der Hauptstadt sollen zunächst 50 Mercedes-Fahrzeuge, die meisten davon Vans (mit dem Spitznamen „Berlkönig“), in den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg und auch im Ortsteil Prenzlauer Berg eingesetzt werden, um dann im Laufe der Zeit auf 300 Fahrzeuge anzuwachsen.

In Hamburg, Berlin, München und Leipzig ist das Startup-Unternehmen CleverShuttle, an dem die Bahn beteiligt ist, mit einem ziemlich ähnlichen Angebot dabei. Auch die Autohersteller testen solche flexiblen Fahrgemeinschaften, zum Beispiel die Daimler-Tochter Moovel in Stuttgart zusammen mit dem dortigen Nahverkehrsbetrieb. VW arbeitet mit der Marke Moia an einem ähnlichen Angebot mit elektrischen Minibussen in Hamburg.

„Moia, Clevershuttle und all die anderen Anbieter sind nichts, was wir in Ordnung finden. Die spielen ein bisschen rum, kaum einer verdient Geld. Die kaufen sich Marktanteile. Und zwar dort, wo man das meiste Geld machen kann: In den Innenstädten, zu bestimmten passagierstarken Zeiten“, schimpft Taxenlobbyist Müller weiter vor sich hin. „Und all diese Sharing-Dienste sind nicht 24 Stunden, sieben Tage im Einsatz, überall. So wie wir.“

Sollten Sie bei diesen Sprüchen des Verbandsfunktionärs ein leises Gelächter in Bodennähe vernehmen: Da lachen die Hühner!

Foto: Taxis am Flughafen Berlin-Tegel, Matti Blume, CC BY-SA 3.0

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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