Spiele: Immer wieder neu lackierter Dreck

http://m.c.lnkd.licdn.com/mpr/pub/image-VbXF93zNI_9UJDpVigod4TcGY2C7LHlH5bXWRu8hYmmh9VMxVbXWutRNYdEA9ACPBe6m/wolfgang-walk.jpgDer Branchenveteran Wolfgang Walk, der bei Blue Byte an Klassikern wie Albion, Die Siedler, Incubation und Extreme Assault mitarbeitete, rechnet in seinem Blog mit bei uns ungewohnter Härte mit der Spieleindustrie ab.

“Besonders furchtbar ist es im AAA-Bereich”, schreibt Walk dort.

Mit offensichtlichem Bezug auf Call of Duty und Battlefield sieht er eine “Handvoll Giganten mit Milliardenumsätzen, die mit gegenseitig abgestimmten Release-Kalendern dem Spieler den immer wieder neu lackierten Dreck vorsetzt”. Der Spielemarkt werde “von Menschen auf dem ethischen Niveau von Waffenhändlern” beherrscht.

Computerspiele an sich liebt Walk: “Für mich ist es keine Frage, dass Games das Zeug haben (oder besser: hatten), die große Kunstform der Gegenwart zu sein”, aber sie hätten eben schon vor Jahren ihre “Seele, Kreativität und Subversivität verkauft”.

Massive Fehlentwicklungen gibt es seiner Meinung nach nicht nur im AAA-Segment, sondern auch bei sogenannten Free-to-Play-Games: Den gesamten Bereich hätten sich “zum größten Teil Anzüge angeeignet, für die ein Spiel nicht mal mehr Ware ist”, sondern nur noch ein Produkt, mit dem Geld verdient wird.

Selbst an den Indie-Games lässt er kein gutes Haar: “Letzten Endes dient der Indie-Bereich als selbstausbeuterischer Qualifikationsnachweis, um dann anschließend im AAA- oder FTP-Bereich (in der Regel immer noch selbstausbeuterisch) arbeiten zu dürfen.” Titel wie Minecraft sind seiner Meinung nach eher die große Ausnahme und nicht die Regel.

Walk ist überzeugt, dass die Entwicklung der großen Blockbuster heute “vorwiegend eine Materialschlacht, in der es auf eine Handvoll Millionen nicht mehr ankommt, da am Tag eins mit der Hilfe von unentrinnbaren Marketingkampagnen und einer überwiegend nur komplizenhaften Presse 20 Millionen Kopien in den Markt gedrückt werden und ein mittlerer neunstelliger Umsatz an Tag eins fast schon als Flop gilt.”

Besonders große Hoffnungen auf Veränderungen in der Branche macht sich Wolfgang Walk offensichtlich nicht. Veränderungen könnten aber nur von den Kunden ausgehen, und die kauften in erster Linie die Millionenprojekte und  missachteten die Indies.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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