Shitstorm von Tausenden Shell-Kunden wegen Prämienaktion

shellIn Nullkommanichts hat der Erdölriese Shell Zehntausende von Kunden verärgert. Die deutsche Shell-Gruppe hat in ihren Tankstellen seit Wochen einen Ebook-Reader Typ Kindle Paperwhite von Amazon als Prämie für die Kunden des hauseigenen Punkte-Sammelprogramms Clubsmart ausgeschrieben.

Ab dem 1. Mai – also gestern – sollten die Kunden für je 999 gesammelte Clubsmart-Punkte den Kindle bekommen.

http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/kindle/dp/2013/KP/feature-goesbeyondabook._V357619100_.jpgUm auf 999 Punkte auf der Shell-Kundenkarte zu kommen, müssen die Kunden entweder 999 Liter Sprit tanken – oder Seiten wie Mydealz.de besuchen, auf denen Prämienabsahner Tipps geben. Wer beispielsweise zwei Wochen vor dem 1. Mai nur 20 Bounty-Schokoriegel in einer Shell-Tankstelle kaufte, bekam durch eine Sonderaktion dafür schon 1000 Punkte gutgeschrieben.

Und die 20 Bountys kosten bei Shell nur 15 Euro. Noch nie dürfte ein Kindle Paperwhite, der beim Hersteller Amazon einen Listenpreis von  129 Euro hat, irgendwo günstiger zu haben gewesen sein als bei Shell. Auch für eine Ritter Sport-Schokolade (Vollnuss & Nougat) für 1,20 Euro gab es an manchen Tagen 100 Punkte ins Sammelheft.

Dass sich da ein echtes Problem anbahnt, hätten die Marketingexperten von Shell spätestens ahnen können, als bei den Shell-Tankstellen im Aktionszeitraum Bountys komplett ausverkauft waren. Zumindest haben sie es geschafft, durch Terminverlegung um einen Tag vom 1. Mai auf heute und durch Medienverlagerung von der Tankstelle ins Internet das Problem zu virtualisieren.

Aber der Andrang war einfach zu groß. Zum Beginn der Einlösefrist seien die Aufrufe der entsprechenden Shell-Seite auf das 40-Fache des Üblichen gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Der Server stürzte kurz darauf ab, die Seite war weitestgehend nicht mehr erreichbar.

Zu allem Übel war die Zahl der Prämien-Kindles auf 10.000 Stück begrenzt, und schon nach drei Stunden waren die EBook-Reader vergriffen. Sehr viele Kunden gingen deshalb leer aus. Sie gingen dann zu Facebook und Twitter zurück, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Sowas kann man nur einen sehenden Auges selbstgemachten Shitstorm nennen. Das hat die Kundenbindung sicher deutlich verbessert – allerdings nicht die Bindung zu den hochpreisigen Shell-Tankstellen, sondern die zu preisgünstigeren Alternativ-Tanken.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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