Telefónica gab jahrelang falsche Daten an Ermittler

Fast dreieinhalb Jahre lang hat der Provider Telefónica (O2) den Sicherheitsbehörden für ihre Ermittlungen fehlerhafte Daten geliefert, berichtet der Spiegel. Inzwischen habe man die Bundesnetzagentur und alle davon betroffenen Sicherheitsbehörden über die „technische Fehlfunktion“ Anfang Dezember ausführlich darüber informiert, bestätigte Telefónica.

Alle Telekommunikationsanbieter in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, Ermittlern wie der Polizei nach einem richterlichen Beschluss Kundendaten für ihre Ermittlungen zur Verfügung zu stellen. Dazu sagt die Bundesnetzagentur„Wer mehr als 100.000 Kunden hat, ist verpflichtet, für die Beauskunftung von Bestandsdaten eine gesicherte elektronische Schnittstelle zu betreiben. Die Bundesnetzagentur ist zuständig für die Erarbeitung der technischen Vorgaben und die Kontrolle der entsprechenden technischen Einrichtungen.“

Wenn aber über eine solche Schnittstelle jahrelang fehlerhafte Daten übermittelt wurden, stellt sich schon die Frage, wie viele betroffene Kunden des Unternehmens dadurch rechtlich benachteiligt wurden – oder wie viele Kinderporno-Fans oder gewaltbereite Islamisten dadurch nicht gestoppt werden konnten.

Telefónica versucht abzuwiegeln

Laut Telefonica soll die Panne nur ausländische Mobilfunknummern in den eigenen 2G- und 3G-Netzen betroffen haben, und die Datenverbindungen seien ja auch nur mit „falschen Zeitstempeln“ versehen worden – SMS oder Telefoniedaten seien korrekt übermittelt worden.

Angeblich ist das Problem seit dem 18. November behoben, es bestand seit dem Juni des Jahres 2017. Die Behörden nehmen den Fehler offenbar sehr ernst und haben auch das Bundeskriminalamt (BKA) informiert.

Die falschen Auskünfte könnten „ermittlungs- beziehungsweise beweisrelevant sein“, schreibt das LKA, „wenn über die Verkehrsdaten ein Tatort- und Tatzeitbezug für eine verdächtige Person hergestellt“ werden solle. Vom BKA heißt es, „die Prüfung, inwieweit es zu Auswirkungen auf laufende oder abgeschlossene Ermittlungsverfahren gekommen ist, läuft bereits“.

Eigentlich darf das Mittel der der Telekommunikationsüberwachung laut Gesetz nur in Fällen besonders schwerer Kriminalität angewendet werden. Allerdings hat zum Beispiel die Dresdner Polizei schon bei Protesten gegen Nazis im Jahr 2011 die Handyverbindungen von Tausenden Demonstranten ausgespäht…

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
Dieser Beitrag wurde unter Internet, Mobilgeräte, News, Recht, Sicherheit, Soziales abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.