Telekom & Co. wollen WhatsApp & Co. regulieren

OettingerEUClaude Juncker’s neuer Digitalkommissar Günther Öttinger hat letzte Woche laut darüber nachgedacht, den Menschen zu verbieten, ihren Telefon- und Internetanbieter zu wechseln.

Das soll angeblich Investitionen der Telcos in den Breitbandausbau für Unternehmen profitabler machen. Bisher scheuten diese Unternehmen angeblich den Ausbau, weil der Kunde danach ja den Anbieter wechseln könne.

Die Telekom riecht Morgenluft

Das hat die europäischen Telcos aufhorchen lassen und sie haben einen Brief an den neuen Kommissionspräsidenten Juncker geschrieben.

Der möge doch bitte „Asymmetrien zwischen den Richtlinien für Investoren in die europäische Infrastruktur und denen für globale Internet-Konzerne“ abbauen.

Juncker solle zum Beispiel dafür sorgen, dass Facebook seinen Nachrichtendienst WhatsApp für andere Plattformen öffnet, damit WhatsApp-Nutzer Botschaften auch an fremde Dienste schicken können. Schließlich sei es ja auch möglich, eine SMS in andere Netze zu versenden.

Scheinheiliger geht es nicht mehr

Selten habe ich so etwas Scheinheiliges gehört. Diese Abzockerbande von der Telekom hatte Jahrzehnte Zeit, selbst einen brauchbaren, kostenlosen Messenger unters Volk zu bringen, hat uns stattdessen lieber bis zum Geht.nicht-mehr mit völlig überteuerten SMS abgezockt.

faceb_twitter_whatsappAls das dann wegen eben dieser Messenger nicht mehr lief, kam der Versuch mit dem eigenen Messenger „Joyn“ die Leute weiter abzuzocken, das war mehr ein totgeborenes Kind, das sich im Sande verlaufen hatte und sollte natürlich auch Geld kosten, ohne Sicherheit zu bieten.

Man muss sich ja auch fragen, was die Infrastruktur mit darüber laufenden Anwendungen zu tun hat – schließlich bezahlen wir für die Nutzung der Datenwege ja auch schon jeden Monat bei unseren Providern. Kann die Telekom nicht rechnen, ist sie zu geldgeil oder will sie einfach nur die Gunst der Stunde einer neuen, korrupten Kommission für sich nutzen, um die EU-Bürger noch mehr abzuzocken?

Transparenz und Offenheit bei der Telekom

Wenn der Ober-Telekomiker Höttges nach „Transparenz und Offenheit von Kommunikationsplattformen„schreit, sollte er uns erst mal erklären, warum die SIP-Server für die IP-Telefonie der Telekom, auf die jetzt gerade alle Telekom-Kunden gezwungen werden, nur aus dem Telekom-Netz und ansonsten aus keinem anderen erreichbar sind.

Oder warum Datenpakete des Telekom-eigenen TV-Dienstes Entertain anders als alle anderen Dienste priorisiert werden.

Oder warum Handy-Nutzer nur Spotify ohne Anrechnung aufs teure Datenvolumen buchen können.

Die Verleger haben inzwischen gemerkt, wohin das führt

Die Trittbrettfahrerei bei innovativen Produkten und Diensten funktioniert sowieso nicht, das weiß man doch spätestens nach dem gescheiterten Versuch der Zeitungsverleger, die sich zunächst passende Gesetze zur Schröpfung von Google haben machen lassen, um dann festzustellen, dass sie ohne Google keine Einnahmen mehr erzielen.

Selbst Springer ist gerade reumütig in den Schoß von Mama Google zurückgekehrt und erlaubt wieder die kostenlose Anzeige von Textauszügen.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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