Tor-Projekt immer noch überwiegend regierungsfinanziert

Wenn man weiß, welche enormen Anstrengungen Regierungsbehörden der USA unternehmen, um User auch im Anonymisierer Tor verfolgen zu können, klingt es verwunderlich, dass nach den soeben veröffentlichten Zahlen des Jahres 2015 der Löwenanteil der 3,9 Mio. Dollar aus den Kassen von US-Behörden stammt.

Die wichtigsten Geldquellen von Tor

Mit 960.000 $ stammt fast ein Drittel der Einnahmen beispielsweise vom US-Außenministerium (Bureau of Democracy, Human Rights and Labor Affairs – DRL), weitere knapp 30 Prozent kommen von Radio Free Asia, einem staatlichen Auslandssender der USA, der ursprünglich von der CIA gegründet, aber nach dem Bekanntwerden der Verbindung dort ausgegliedert wurde. Gut 20 Prozent kommen zwar vom unabhängigen Stanford Research Institute (SRI) – aber das lebt überwiegend von staatlichen Forschungsgeldern, die zu zwei Dritteln vom US-Verteidigungsministerium kommen.

Insgesamt kommen 85 Prozent der Mittel für das Tor-Projekt von staatlichen Stellen der USA. Eine differenziertere Aufschlüsselung finden Sie in einem aktuellen Artikel bei Heise.

Sinn und Unsinn der staatlichen Finanzierung

Man könnte lachen und an Goethes Zauberlehrling erinnern, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde – schließlich wurde das Tor-Projekt ursprünglich am Armee-Forschungsinstitut Naval Research Laboratory entwickelt und ist dann 2006 in eine unabhängige Non-Profit-Organisation überführt worden.

Aber das Tor-Netz wird eben nicht nur von Kriminellen und Terroristen genutzt, sondern auch von Journalisten, Dissidenten und anderen verfolgten Menschen, für die eine abhörsichere Kommunikation im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig ist – und dieser Aspekt ist letztlich der Grund für die weiter sprudelnden Regierungsgelder.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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