Türkei verhindert Zugang zu gesperrten Internetseiten

Wenn Deutsche in Diktaturen ohne freie Medien lebten, fanden sie früher immer einen Weg zu nicht vom herrschenden Regime verdrehten Informationen.

Im Zweiten Weltkrieg hörten sie Radiosender der Alliierten (des Feindes) und in der DDR halfen West-Radio und West-Fernsehen den Menschen, sich ein nicht vom jeweiligen Diktator verfälschtes Bild der aktuellen Welt zu machen.

Nach immer wieder erfolgenden Zensurmaßnahmen der Türkei wie das Sperren von Diensten wie Twitter, WhatsApp, Dropbox, Github und GoogleDrive hatten bisher auch die (Informations-)Freiheit liebenden Türken Wege gefunden, Erdogans Sperren zu umgehen.

Jetzt hat der Sultan vom Bosporus aber nicht nur generell Virtuelle Private Netzwerke (VPNs) absperren lassen, sondern auch das Anonymisierungs-Netzwerk Tor, über das türkische Internetsurfer bisher noch einigermaßen freien Zugang zu den gesperrten Diensten bekamen.

Das machen die Faschisten in der Türkei mittels Deep Packet Inspection (DPI). Dabei schauen sie in die einzelnen Datenpakete hinein und stellen fest, ob sie im Inneren etwa eine Tor-Signatur finden. Solche Pakete werden dann nicht weiter geroutet.

Diese Methode wird gerne im Sicherheitskontext genutzt. Sie wurde aber von den Datenschützern schon 2010 als Kontrolltechnologie gebrandmarkt. In Erdogans Türkei zeigt sich einmal mehr, dass die warnenden Stimmen mit ihren Befürchtungen damals Recht hatten.

In der Standardkonfiguration soll Tor zwar noch nicht vollständig, aber doch weitgehend gesperrt, resümiert Turkey Blocks. Im Bridge-Modus soll das Netz noch nutzbar sein, aber einige ISP sollen diese Verbindungen verlangsamen.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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