Weihnachtsthema: Online-Käufe korrekt widerrufen

WiderrufWeihnachtenDas sogenannte Widerrufsrecht aus dem Fernabsatzgesetz gilt für jedes Produkt, das Kunden im Internet gekauft haben: Sie können innerhalb von 14 Tagen alles, was aus einem sogenannten Fernabsatzgeschäft stammt, auch wieder zurückschicken.

Für die Rückgabe der Ware brauchen Sie auch keinen Grund angeben, und ab einem Warenwert von 40 Euro trägt der Verkäufer sogar noch die Versandkosten.

Ausnahmen von dieser Regelung gibt es nur bei wenigen Produkten wie Lebensmitteln, Downloads, Zeitungen, individuell hergestellter Ware und manchne anderen Produkten, sobald deren Originalverpackung geöffnet wurde – darunter zum Beispiel Filme auf Blu-ray oder Software.

Alles andere darf der Kunde zu Hause ausprobieren, und zwar so, wie er es im Laden machen würde. So wird zum Beispiel klar, ob ein Pullover zu klein ist oder das Ladegerät nicht zum Handy passt. “Ich darf aber nicht einfach zwei Kameras bestellen, mit beiden im Wald Fotos machen und dann eine Kamera wieder zurückgeben“, sagt eine Fachanwältin für IT-Recht Auer-Reinsdorff dem Nachrichtenportal Heise. “Das ist ein Nutzen, der über das übliche Prüfen hinausgeht.

Allerdings Die Frist von 14 Tagen greift allerdings nur dann, wenn der Verkäufer den Kunden darauf hinweist, sonst gilt das Rückgaberecht für den Kunden theoretisch unbegrenzt.

In der sogenannten Widerrufsbelehrung muss auch klargestellt werden, ob das Recht erlischt, wenn zum Beispiel Etiketten abgeschnitten oder Sicherheitsfolien entfernt werden oder ähnliches. “Wenn der Unternehmer den Kunden nicht darauf hinweist, trägt er selbst das Risiko und kann keinen Wertersatz fordern“, sagt Anwältin Auer-Reinsdorff.

Der Wertersatz ist in diesem Zusammenhang eine Art Entschädigung für eindeutig über die Maßen genutzte Produkte. “Wer ein Produkt stärker nutzt als zur reinen Funktionsprüfung nötig und es dann zurückgeben will, muss dem Unternehmen Wertersatz leisten“, erklärt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Das bedeuet: Der Händler nimmt die Ware zwar zurück, erstattet wegen der Abnutzung aber nur einen Teil des Kaufpreises.

Ein Wasserbett zum Beispiel darf zu Hause mit Wasser gefüllt werden – anders wäre es kaum zu testen. “Es gibt immer auch Kunden, die diesen Spielraum ausnutzen“, sagt Thomas Lipke, der Präsident des Bundesverbands des deutschen Versandhandels. Als Beispiel führt er Brautkleider an: “So ein Kleid braucht man nur einmal. Wenn Sie das nach der Hochzeit wieder zurückschicken, ist das ganze Geschäftsmodell in Frage gestellt.” Manche Händler versehen ihre Waren daher mit Sicherheitsetiketten. Ist das Sicherheitsetikett entfernt oder beschädigt, erlischt das Widerrufsrecht.

Wenn sich jemand ständig Sachen kauft und sie stark gebraucht zurückgibt, hört die Kulanz auf“, sagt Lipke. “Da muss dann abgewogen werden zwischen Kundenfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit.” Notfalls kann ein Händler auch auf Geschäfte mit einem Kunden verzichten. “Grundsätzlich können Unternehmen frei entscheiden, mit wem sie Geschäfte machen wollen“, bestätigt Verbraucherschützer Gollner. Der Händler muss den Kunden aber schon beim Kauf auf solche möglichen Maßnahmen hinweisen.

Das Widerrufsrecht ist ja auch ein Segen für die Branche, sagt Verbandsvertreter Lipke: “Unseriöse Händler haben es dadurch etwas schwerer.” Auch Christian Gollner sieht das ähnlich: “Die unkomplizierte, meist kostenfreie Möglichkeit des Widerrufs stärkt das Vertrauen der Verbraucher in den Online-Handel.

Einzigartig in ganz Europa ist, dass in Deutschland ab einem Warenwert von 40 Euro beim Widerruf auch die Rückversandkosten vom Händler übernommen werden. Entsprechend hoch ist dadurch auch die Zahl der Retouren in Deutschland.

Das Verfahren soll jetzt auch europaweit vereinheitlicht werden, deutsche Verbraucher verlieren damit einen Teil ihrer Rechte. Ab Juni 2014 muss ein Online-Kunde für jede Rückgabe ein Formular ausfüllen, das der Händler der Ware beilegt, und den Widerruf begründen. Außerdem muss der Kunde dann die Versandkosten für jede Rückgabe selbst zahlen.

Wir gehen aber davon aus, dass viele Unternehmen die Rücksendekosten weiterhin aus Kulanz übernehmen werden“, sagt Verbraucherschützer Gollner. “Grundsätzlich macht ja gerade ein kostenfreies Widerrufsrecht den Einkauf im Internet für Verbraucher sicher.” Letztendlich entscheiden ab Sommer aber die Unternehmen, ob sie weiterhin die Retourkosten tragen wollen, betont Lipke. Ob sie das tun oder nicht, kann dann für den Kunden dann also ein Grund sein, sich für einen bestimmten Online-Händler zu entscheiden.

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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