Yandex: Die Russen flüchten aus der Türkei

Erdogan und Russlands Putin – das war doch eigentlich ein Dream-Team. Zwar hat der Sultan vom Bosporus einen russischen Flieger abgeschossen, dafür aber auch viele Waffen vom großen Bruder Wladimir Wladimirowitsch gekauft. Aber jetzt scheint es zumindest im Internet bei der Männerfreundschaft unter Autokraten zu kriseln…

Das türkische „Digitalgesetz“ wirft seine Schatten voraus

Der russisch-niederländische Konzern Yandex zieht sich aus der Türkei zurück. Als Grund wird das neue Digitalgesetz genannt, das in diesem Herbst in Kraft tritt.

Yandex hat das noch nicht bestätigt, aber türkische Medien berichten schon, dass die Niederlassung in Istanbul dicht gemacht wird und die Mitarbeiter sich einen neuen Job suchen können – nicht einfach heutzutage in Erdogans Sultanat auf dem Weg in den wirtschaftlichen Abgrund.

Yandex Rückzug aus der Türkei dürfte an dem neuen Gesetz liegen, mit dem Unternehmen verpflichtet werden, bei mehr als einer Million Nutzer in der Türkei dort auch eine Niederlassung zu registrieren – natürlich nicht ohne einen türkischen Staatsbürger als Vertreter.

Diese erzwungenen Niederlassungen dienen nach Ansicht von Kritikern hauptsächlich der Kontrolle:

Identitäten und Nutzerdaten müssen dabei für die türkische Regierung zugänglich gemacht werden.

Soziale Netzwerke müssen Beiträge, die Erdogans Helfershelfer oder der Sultan selbst als unwahr oder beleidigend einstufen, umgehend löschen. Und in der Türkei ansässige Unternehmen sind dabei natürlich haftbar, wobei hohe Geldstrafen und Einschränkungen für die Dienste drohen.

Über Yandex

Yandex wird als die russische Antwort auf Google angesehen. Seine Suchmaschine hat in Russland einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent, schreibt die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel über den Rückzug.

Außerdem bietet Yandex Dienste wie Email, Cloud, Übersetzer und Browser an. Weltweit ist Yandex die fünftgrößte Suchmaschine. In der Türkei liegt der Marktanteil aktuell noch bei knapp 13 Prozent, während Google mit 84 Prozent deutlicher Marktführer ist. Und das obwohl die Yandex-Suchmaschine sogar als Standard im türkischen Firefox eingestellt ist.

Das Gesetz zur Kontrolle sozialer Medien hat das türkische Parlament in diesem Sommer beschlossen. Die Pflicht zur Speicherung von Nutzerdaten, besteht schon, konnte jedoch umgangen werden, sofern kein Sitz in der Türkei bestand.

Regierungsmitglieder verteidigen diese strengeren Vorgaben damit, Beleidigungen, Beschimpfungen und Belästigungen in den Sozialen Medien bekämpfen zu wollen. Das wird ja auch in Europa und den USA von vielen gefordert. Datenschützer warnen allerdings vor dieser Vorgehensweise…

Über Klaus

Ich beschäftige mich schon seit 40 Jahren mit dem Internet. Meine Schwerpunkte sind Seitenerstellung, Programmierung, Analysen, Recherchen und Texte (auch Übersetzungen aus dem Englischen oder Niederländischen), Fotografie und ganz besonders die sozialen Aspekte der "Brave New World" oder in Merkel-Neusprech des "Neulands".
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